Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen

Das Urteil im menschlichen Gehirn

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Die wichtigste Unterscheidung, die wir in der Evolutionsgeschichte treffen mussten, war: Freund oder Feind, gut oder böse. Wenn unsere Vorfahren diese Unterscheidung nicht treffsicher durchführen konnten, dann waren sie nicht unsere Vorfahren. Ein gutes Urteilsvermögen ist bis heute überlebensnotwendig.

Deshalb bewertet unser Gehirn ständig. Wir tun das mit unseren Gedanken („So ein Idiot!“) und Gefühle (z.B. Angst oder Freude). Und in Form von Gefühlen können wir unsere Beurteilung der Situation äußern, ohne andere in Schubladen zu packen (siehe auch Schritt 2 der GFK). Beim Äußern von Gedanken klappt das seltener.

Doch leider schießen wir beim Beurteilen meistens über unser Ziel hinaus. Es reicht zum Überleben, wenn unser Urteil ungefähr richtig ist (im Zweifel für die Gefahr oder gegen den Angeklagten). Doch auch eine Bemerkung, wie: „Was hast du da denn für einen Scheiß abgeliefert?“ (ein Urteil, keine Beobachtung) aktiviert unser Alarmsystem (Flight-and-Fight-System oder Kampf- und Fluchtsystem). Die Chefin direkt anzugreifen, wäre keine adäquate Reaktion, und so ist es für uns wichtig (heute mehr als früher), die Impulse unseres Kampf- oder Flucht-Systems zu überprüfen und zu kontrollieren. Es braucht einfach Zeit, um eine angemessene Antwort zu finden. Besonders wenn eine Antwort unsere Bedürfnisse (z.B. Wertschätzung, Fairness) und die der Chefin (z.B. Zuverlässigkeit, Unterstützung) gleichermaßen berücksichtigen will.

Die Zuständigkeit im Gehirn sieht wie folgt aus: Für die erste Bewertung („So redest du nicht mit mir!!!) und die körperliche Reaktion darauf (Schweißausbrüche, Herzbeschleunigung, trockener Mund etc.) sind im Gehirn die Mandelkerne (Amygdala) zuständig, für das Stoppen und Überdenken der ersten Impulse der Präfrontale Cortex (hinter der Stirn beheimatet). Dieser ist der neuste Teil der Großhirnrinde und greift bei seinen Entscheidungen sowohl auf rationale Fakten als auch Emotionen zurück. Welcher Teil des Gehirns antwortet, lässt sich auch an der Reaktionszeit festmachen. Bei reflexartiger Antwort waren es die Mandelkerne. Braucht es länger, dann war mit großer Wahrscheinlichkeit der Präfrontalen Cortex involviert. Doch das gilt nicht immer. Erstarren ist ebenfalls eine Reaktion des Kampf- und Fluchtsystems. Und bis die sich wieder löst, vergeht einiges an Zeit. Die ersten Reaktionen danach kommen nicht vom Präfrontalen Cortex. Dieser verabschiedet sich beim Erstarren völlig und ist danach nur schwer wieder zu aktivieren.

Autor: Regine

GFK-Trainerin und vieles mehr.

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