Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen

Sage nicht „Ja“, wenn du „Nein“ meinst!

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Vom (Nicht-)Nein-Sagen in der Beziehung

Woran erkennt man im Restaurant, ob ein Paar frisch verliebt oder schon lange zusammen ist (unabhängig vom Alter)?

Die einen reden angeregt, und die anderen schweigen oder lesen Zeitung.

Der Grund für das Schweigen kann größere Vertrautheit sein. Es gibt aber auch Paare, bei denen der eigentliche Grund der ist, dass sie keine Themen mehr haben, die nicht beim einen oder anderen für Sprengstoff sorgen. Um diese soll es hier gehen.

Viele starten eine Beziehung in der Annahme, dass die Liebe sich in „einer Meinung sein“ zeigt. Man tut alles füreinander und streitet nie. Aber Menschen sind nicht immer einer Meinung.

Doch was passiert, wenn sie es trotzdem versuchen? Wenn sie zum Beispiel beim Kennenlernen feststellen, dass sie beim Thema XY, sagen wir „Umweltschutz“, nicht einer Meinung sind? Sie klammern das Thema (erst mal) aus. Später kommt das Thema: „Wie wollen wir in den Urlaub fahren“ dazu. Und dann stellen sie fest, dass sie beim Thema „Schwiegermutter“ auch keine Übereinstimmung finden. Mit der Zeit wird es immer schwieriger, die Themen zu vermeiden. So kommt das Thema „Schwiegermutter“ zwangsläufig beim nächsten Besuch wieder auf den Tisch. Durch die Vermeidungstaktik sind beide zu dem Zeitpunkt, wo der Konflikt nicht mehr vermeidbar ist (auf der Fahrt zur Schwiegermutter), schon so an ihren Grenzen, dass keine verständnisvolle Aussprache mehr möglich ist. Bleibt man trotzdem bei der Strategie „Konflikte mit Tabus zu belegen“, dann gibt es irgendwann keine Gesprächsthemen mehr. Also schweigt man. Man lebt sich auseinander. Und dann trennt man sich und fragt sich, was man wohl je am anderen fand, mit der/dem Neuen kann man sich doch so angeregt unterhalten.

Ja, man kennt auch die Meinungsverschiedenheiten noch nicht.

Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, auch als Frischverliebte, zu sagen, was man will und was nicht. Schließlich ist es nach drei Kinobesuchen sehr schwierig zuzugeben, dass man Actionfilme eigentlich gar nicht mag. Und zweitens braucht es einen Weg, wie man bei Konflikten zu wechselseitigem Verständnis und brauchbaren neuen Strategien kommt. Dieser Weg könnte damit beginnen, den Zeitpunkt der Aussprache so zu wählen, dass man gerade entspannt miteinander ist und die Lösung nicht gar so sehr brennt. Das stärkt das wechselseitige Wohlwollen und erleichtert es zuzuhören und sich ehrlich auszudrücken. Auch „Nein“ zu sagen, wenn man „Nein“ meint (auch wenn es unbequem ist), sichert langfristig die Beziehung. Je länger man damit wartet, umso schwerer wird es. (Deshalb finden es viele auch leichter, eine neue Beziehung anzufangen, statt der alten zu sagen, wie oft man etwas gemacht hat, was man eigentlich nicht machen wollte.) Und zu guter Letzt gilt es, den Spaß dabei nicht zu vergessen! Zum Necken gehört schließlich auch Nein-Sagen. Wie zum Beispiel: „Nein, Schatz, ich werde den Müll jetzt nicht runterbringen, aber wenn du möchtest, kann ich dich gerne in den Arm nehmen.“ Oder wie wäre es mit: „Nein, Schatz, ich will jetzt keinen Sex, aber Knutschen fände ich jetzt ganz toll!“

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass Konflikte zum Zusammenleben dazugehören und nichts über den Grad der Liebe aussagen.

Wer gerne noch mehr Tipps zum konstruktiven Streiten möchte, am 19.-20. September 2015 findet ein Workshop für Gewaltfreie Kommunikation in Hamburg statt.

(Zielgruppe: ganz normale Paare und Einzelpersonen)

Autor: Regine

GFK-Trainerin und vieles mehr.

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