Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen

Handys – die multiple Kommunikation

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Als Nicht-Smart-Phone-Besitzerin kann ich mich einfach nicht an den aktuellen Umgang mit Handys gewöhnen.

Wenn meine Freundin mitten im Gespräch zum Handy greift, um eine Nachricht zu lesen, dann reagiere ich verstimmt. Ich denke: „Aha, das Handy ist wichtiger“. Diese Einschätzung hat mit der Frage zu tun: Was hat Priorität? Was ist es wert die Aufmerksamkeit zu bekommen. In diesem Beispiel: das Handy, nicht ich. Dabei kann ich mich noch glücklich schätzen, wenn der Chat mit einer Antwort beendet ist, ansonsten schaut sie immer wieder drauf.

Dabei wollen die wenigsten Handybenutzer damit sagen, dass ihnen das Handy wichtiger ist. Aus ihrer Perspektive bevorzugen sie nicht das Handy, sondern die Person, die ihnen gerade schreibt. Auch die Lücke im Kontakt fällt ihnen nicht auf, weil sie ja in Kontakt sind, nur nicht mit der Person, die vor ihnen sitzt.

Warum ist Nachrichten-schreiben so beliebt? Eine Nachricht enthält max. 160 Zeichen, keine Emotionen und keine Konventionen. Eine Anfrage oder Bitte ist da schnell gestellt. Schließlich passen nicht viele Worte in eine SMS. 160 Zeichen für: Das will ich, willst du auch? Und all das, ohne mich emotional groß mit dem anderen zu beschäftigen. Auch ist ein Nein per SMS leichter zu ertragen als eine persönliche Absage. Liegt darin der Reiz?

Im Ganzen scheint man weniger Probleme zu haben. Die fangen erst an, wenn es zu Missverständnissen kommt. Man erhält keine zeitnahe Antwort oder empfindet etwas als Affront. Falls man sich die Mühe macht, das Missverständnis zu klären, bekommt man meistens die Antwort: „Das war nicht so gemeint.“ Der andere hatte die Nachricht nicht richtig gelesen oder sich vertan. Auch ist manchmal die Antwort zu kurz, um das Gefühl zu vermitteln, überhaupt eine Antwort wert zu sein.

Die Kommunikation mit einem anwesenden Mensch ist da anders. Konventionen und Höflichkeit spielen plötzlich wieder eine Rolle. Es muss erst die passende Atmosphäre geschaffen werden, um zu persönlichen Fragen zu kommen. Unabhängig davon sind die Gefühle eines Menschen auch ohne Worte spürbar. Körperhaltung und Gesichtsausdruck sprechen zu uns, noch bevor wir den Mund aufmachen. Und es macht eine gute Freundschaft aus, dass man auf Gefühle und Stimmungen eingeht.

Im Ganzen haben heute persönliche Gespräche ihren exklusiven Charakter verloren. Dafür haben wir die Möglichkeit mit mehr als nur einer Person zu kommunizieren. Ich halte das für einen schlechten Tausch. Für eine Terminabsprache schreiben wir bei Kaffee und Kuchen Nachrichten hin und her. Das geht auf Kosten des persönlichen Kontakts. Es leidet nicht nur die Gesprächstiefe, sondern auch Ruhe und Erholung kommen zu kurz. Wenn wir Gesprächspausen mit „Ich checke mal eben meine Nachrichten.“ füllen, gibt es keine Momente der Stille mehr. Und es heißt doch, Freunde, das sind die Menschen, mit denen man schweigen kann. Wessen Freund bin ich, wenn ich, wenn es still wird, zum Handy greife?

Autor: Regine

GFK-Trainerin und vieles mehr.

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