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fühlend verstehen wollen

Die Stellschrauben am Selbstvertrauen – Teil 1

2 Kommentare

Ich habe mir in meinem Leben viel Gedanken zum Thema Selbstvertrauen gemacht. Vermutlich weil ich von großem Lampenfieber geplagt bin und es gleichzeitig nicht lassen kann, mir immer wieder meine „Bühnen“ zu suchen. Aus dem Wunsch heraus, etwas entspannter mit diesen Situationen umzugehen, habe ich nach Stellschrauben gesucht, an denen ich drehen kann, um mein Selbstvertrauen zu steigern. Und folgende Schräubchen habe ich gefunden: Können, Erfahrung, Erwartung und Vertrauen.

Fangen wir bei dem an, was sich am leichtesten beeinflussen lässt: „Können“

Wichtig ist dabei zu wissen, dass wir nicht nur fachliche Kompetenzen erwerben können, sondern auch soziale. Nach jahrelangem Studium der Gewaltfreien Kommunikation weiß ich, Empathie lässt sich lernen und damit üben, Selbstwahrnehmung lässt sich lernen und üben und vieles mehr. Voraussetzung dazu ist, dass man den Weg dorthin in kleine Lernschritte aufteilt und diese wiederholt, bis sie selbstverständlich geworden sind. Denn genau das bedeutet üben. Doch was uns scheitern lässt, sind oft zu groß gewählte Ziele. Wenn man ein Instrument lernt, dann kann so ein zu großes Ziel ein Auftritt sein.

Meine Gesanglehrerin meinte einmal, bei einem Musikauftritt bringt man ungefähr 80% seiner Leistung. Das heißt, im Proberaum muss man 20% besser sein, als das, was man vor Zuschauern zeigen will. Die meisten Laien-Redner, -Musiker oder -Schauspieler begehen jedoch den Fehler, dass sie das Beste, was sie können, zeigen wollen. Und oft können sie das noch nicht lange. Die Unsicherheit bei ganz frisch erworbener Kompetenz (die Profis noch nicht als solche bezeichnen würden) wird durch mangelnde Erfahrung verstärkt. Kommt dann noch die übliche Nervosität dazu, ist das Scheitern vorprogrammiert. Wer also meint, sein Selbstvertrauen reiche für einen Auftritt nicht, kann sich entweder besser vorbereiten, ein leichteres Stück oder ein wohlwollendes Publikum wählen.

Das wird all die Menschen enttäuschen, die glauben, dass etwas, was mit viel Leichtigkeit auf der Bühne dargestellt wird, auch mit Leichtigkeit erworben wurde, was nicht stimmt. Ein Flamencogitarrist wurde nach einem Konzert von einer begeisterten Frau mit folgenden Worten angesprochen:

„Ich würde alles dafür geben, um so gut spielen zu können wie Sie!“

Da fragte er: „Was ist denn „alles“?“

„Sagen wir, mein halbes Leben!“

Darauf antwortete er nachdenklich: „Ja, das ist in ungefähr auch das, was ich dafür bezahlt habe. Warum haben Sie nicht so lange geübt?“

Nun, den meisten ist bewusst, dass mehr Können mehr Aufwand bedeutet. Und jeder kann entscheiden, wieviel Aufwand er betreiben möchte und ob es das wert ist. Nur wenn man an der eigenen „Erfolglosigkeit“ leidet, dann nutzt es nichts, es auf mangelndes Selbstwertgefühl zu schieben, wenn es am Einsatz liegt.

Doch es gibt auch die Menschen, die täglich viele Stunden lang Gitarre üben und nie vor Publikum spielen, oder die, die eine Weiterbildung nach der anderen besuchen und trotzdem den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen. Die brauchen nicht mehr Kompetenz, sondern mehr Erfahrung.

Lese dazu mehr im nächsten Blog!

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Autor: Regine

Seit 2011 biete ich Kurse in Gewaltfreier Kommunikation in Hamburg an. Meinen Traum, von der GFK leben zu können, habe ich mittlerweile losgelassen und freu mich an der nebenberuflichen Tätigkeit. Der Stress, den Unterhalt zu verdienen, ist weg und die Begeisterung für die GFK und diese schöne Arbeit ist wieder da. Was mich an dieser Kommunikationstechnik so begeistert, ist, dass sie einem neue Erkenntnisse über sich selbst schenkt und eine echte Hilfe ist, die „merkwürdigen“ Dinge, die andere sagen und tun, auf einer tieferen Ebene zu verstehen. Mein absolutes Steckenpferd ist das Rollenspiel von aktuellen Konflikten. Ich kenne nichts, was näher an einem echten Gespräch heranreicht und auch nichts, was so eine Wirkung entwickelt, obwohl nur eine Konfliktpartei anwesend ist. Erstaunlich oft lösen sich nach dem Rollenspiel Konfliktsituation von alleine auf. Und immer bietet es die Gelegenheit, einen Konfliktverlauf zu erleben, den man so nicht hat vorstellen können. Neben dem Forschen nach Bedürfnissen, versuche ich die Gefühle und Urteil auszuloten. Für mich ist nichts ist so wichtig, wie den Mensch als Ganzes anzuerkennen, mit allen Kanten, unerlaubten Gedanken, Gefühlen und Veränderungswünschen.

2 Kommentare zu “Die Stellschrauben am Selbstvertrauen – Teil 1

  1. Hallo, Regine,
    du sprichst etwas sehr wichtiges an. Der Erfolg kommt nie von alleine, wir müssen in ihn investieren. Meist durch jahrelange harte Arbeit. Und das wollen die meisten Menschen nicht investieren. Sie probieren etwas eine Zeit lang und stellen dann für sich fest „Das funktioniert nicht!“ Und geben dann auf, ohne zu wissen, wie nah der Erfolg womöglich schon ist.
    Aber auch das andere Extrem ist natürlich vorhanden, das kenne ich aus meiner eigenen Erfahrung.
    Jahrelang habe ich an meiner Weiterbildung gearbeitet und mir immer gesagt, Dieses Seminar noch und dann noch jenes, und dann kann ich endlich loslegen.
    Doch dann habe ich irgendwann erkannt, dass es völliger Blödsinn ist und bin ins handeln gekommen. Denn nur durch die Praxis werden wir dann auch wirklich besser und somit erfolgreicher. Alle Theorie nützt uns nicht, wenn wir sie nicht auch anwenden.

    Also an alle unter euch, die noch immer an Ihrer Bildung arbeiten, aber nicht in die Praxis geht – fangt an, je früher, desto besser, und lasst euch durch eventuelle Niederlagen nicht entmutigen.
    HG
    Frank

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  2. Ja, da stimme ich dir zu und die Balance dazwischen zu finden, ist nicht immer einfach.

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