Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen

Über Arbeit, Spiel und Gott

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Der Unterschied zwischen Arbeiten und Spielen ist, dass man mit Arbeit eine Absicht verfolgt, z.B. Geldverdienen, und beim Spielen keine. Diese Zwecklosigkeit erträgt nicht jeder, weshalb manche behaupten, dass Spielen Selbstzweck sei oder dem Lernen diene. Mir gefällt die Idee, dass es überhaupt keinen Zweck hat. Ein Junge spielt, wenn er zig Mal den Ball gegen die Wand schießt. Mir als Erwachsene fehlt nach dem 10. Mal der Sinn für diese Beschäftigung. Würde man ihm erklären, er müsse an die Wand schießen üben, dann wäre sein Spaß sicher schnell vorbei. Üben ist Arbeit, da es einen Zweck erfüllt. Merkwürdig, dass dann der Spaß so schnell stirbt.

Und Gott? Die meisten Menschen denken wohl, dass er arbeitet, schließlich unterstellen sie ihm eine Absicht. Zweifel an Gott sind im Grunde Zweifel an seiner Absicht und damit an seinem Gutsein. All die Katastrophen wie Erbeben, Hungersnöte und Kriege sprechen doch für sich. Doch was, wenn er gar nicht arbeitet, sondern spielt? Wenn er völlig zweckbefreit mal „Gutes“ und mal „Schlechtes“ tut. Mal streichelt er uns und mal zieht er uns ordentlich an den Ohren. Was, wenn ausgerechnet Gott die Unterscheidung von Gut und Böse gar nicht trifft?

Manche Menschen erklären die Willkür und all das Schlechte in der Welt damit, dass Gott uns Menschen den freien Willen schenkte, damit wir die Freiheit haben, selbst Gutes oder Schlechtes zu tun. Und diese Freiheit nehmen wir uns auch, allerdings nicht, ohne uns über die Wahl des Nachbarn zu ärgern.

Wie wäre es, das Leben als göttliches Spiel zu sehen? Dabei geht auch mal etwas zu Bruch. Aber was soll‘s, ist ja nur ein Spiel! Morgen ist auch noch ein Tag, ein Leben oder eine Gelegenheit. Wir können ihm das übel nehmen, uns darüber grämen, ihm Vorwürfe machen und behaupten, dass wir wirklich etwas Besseres verdient hätten, aber nein, er reißt die Schleuse auf und überflutet unsere Sandburg. „Oh, jetzt ist sie kaputt! Weine doch nicht, bau eine neue! Hier ist noch ganz viel Sand.“ Gott spielt, und Fehler gibt es in seiner Schöpfung nicht. Es gibt nur neue Gelegenheiten, neue Menschen, neue Arbeit oder mehr Zeit (durch den Verlust der Arbeit). Den lieben langen Tag schenkt er uns was. „Oh, das mag sie nicht! Hmm, was könnte ich ihr denn noch anbieten? Vielleicht Liebeskummer? Nein, mag sie auch nicht! Wie schade, könnte so eine spannende Erfahrung sein, und jetzt will sie die nicht.“

Meine Theorie ist, dass die Kunst des Lebens darin besteht, mit Gott zu spielen, statt das Leben als Arbeit an sich, als Schule oder Prüfung zu betrachten. Wer mag Spielkameraden, die alles, was man ihnen vorschlägt, doof finden? Oder die für jedes „gut sein“ eine Belohnung fordern?

Die Male, denen ich Gott begegnet bin, hat er gelacht. Schallend gelacht. Ja genau, über mein Leben. Er meinte: „Regine, ganz großes Kino!“ und sich weiter den Bauch gehalten. Ich fand das gar nicht lustig, aber das donnernde Gelächter bebte in meinem Körper nach. Irgendwie ansteckend.

Vielleicht ist das Leben ja doch nicht so ernst, wie ich immer dachte.

Autor: Regine

GFK-Trainerin und vieles mehr.

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