Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen

Überlasse den Humor nicht den Komikern

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Wann hast du das letzte Mal über dich selbst gelacht? Vergiss nicht, neben Computerkenntnissen und technischem Know-How auch deinen Humor zu schulen.

Humor schafft Verbindung. Er ist die weise Antwort auf das Paradoxe im Leben. Er ist oft die einzige Antwort auf den unerträglichen Schicksalsschlag. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Über all das, was nicht sein darf, aber trotzdem ist. Schon mal versucht einen Witz zu erzeugen? Versuch es einmal! Man baut eine logische Kette auf und verschiebt das Ende ein klein wenig ins Absurde. Die Absurdität, das Unerwartete erzeugt eine Spannung, die sich im Gelächter auflöst.

Humor ist jederzeit möglich. Auch in der Trauer, wenn Mutter und Sohn um den Vater weinen und sie ihn fragt: Erinnerst du dich an Papa? und der Halbstarke antwortet: „Oh ja, er steht ganz lebendig vor meinem inneren Auge und schreit: Jetzt räum´ endlich deinen Scheiß weg, du Hurensohn!“

Mit Humor können wir Fehler sehen als das, was sie sind – menschlich! Nur ohne Humor kann man glauben, dass Perfektion möglich ist. Das Leben lehrt uns die Menschlichkeit, indem es uns daran scheitern lässt, die vollständige Kontrolle zu erlangen. Das lässt sich mit Humor viel leichter ertragen als ohne.

Humorvoll bin ich, wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme. Und humorvoll kann ich nur sein, wenn ich an meinen Wert glaube. Humor verändert den Blick. Er lässt einen aus der Situation treten und von außen schauen. Einmal vor Jahre, ich jobbe bei einer Reitveranstaltung und bewache eine überdachte Tribüne – ZUTRITT nur gegen AUFPREIS! Es regnet, der Ticketschalter ist Kilometer weit entfernt und eine Gruppe von jungen Leuten klettert kurzerhand über die Abgrenzung. Empört schreie ich auf und renne die hinter Reihe entlang. Doch die Tribüne besteht aus zwei Teilen, und am Stoß verläuft auf Knöchelhöhe eine Strebe. Die sehe ich natürlich nicht, da ich das Jungvolk wütend, zeternd und mit den Armen fuchtelnd im Blick habe. Mein Fuß trifft die Strebe und ich verschwinde der Länge nach zwischen den Bänken. Ich sehe mich selbst wie in Zeitlupe. Die Bretterbohlen vor der Nase, eingeklemmt zwischen zwei Sitzreihen muss ich so lachen, dass ich kaum hoch kommen. Lachend und um Ernst ringend bugsiere ich die Männer und Frauen hinaus. Sie taxieren mich mit unsicherem Blick und geben sich die größte Mühe, ihr Grinsen zu verbergen.

Humor braucht Mut und innere Selbstsicherheit. Der Blick von außen ist oft mit Angst besetzt. Er kann verletzen. Das Menschliche, unfreiwillig ans Licht gezerrt, ist beschämend. Der Spott als Humor getarnt, ist ein Ablenkungsmanöver nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung!“ Spott zeugt weder von Selbstbewusstsein noch von Menschlichkeit. Er verschleiert die Angst, selbst bloßgestellt zu werden. Während Humor über das Menschliche in uns allen lacht, stellt Spott den anderen alleine nackt auf die Bühne.

Der Unsichere ist humorlos. Bier-ernst und schein-heilig versucht er das Menschliche, das Paradoxe, das Schäbige zu leugnen. Er tut so, als wäre Perfektion möglich, als wäre Makellosigkeit erreichbar. Er tut so, als wäre das hier zu heilig, als dass es etwas zu lachen gäbe. Aber wir sind keine Götter. Und … warum fällt es Gott so viel leichter zu lachen? Wie macht er das? Er ist verbunden und distanziert. Er stellt nichts zwischen sich und die Menschen und sieht die Welt von außen – und  lacht!

siehe auch:

GFK und Humor – Workshop an den Hamburger GFK-Tagen am 23. März 19

Autor: Regine

GFK-Trainerin und vieles mehr.

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