schreibend denken und fühlend verstehen wollen


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Was soll ich tun? Frage dein Unbewusstes

-Mama, brauchst du die Malkreiden noch?

-Ja.

-Aber du benutzt sie doch gar nicht!

-Ja, aber vielleicht tue ich das noch.

Ich bin erstaunt. Wenn ich etwas schon so lange nicht benutze, dann erwarte ich nicht, dass sich daran etwas ändern wird. Aber damit scheine ich mich von anderen Menschen zu unterscheiden.

Mit Antonia geht es mir genauso.

-Ich sollte Workshops anbieten, sagt Antonia. Wir sitzen zusammen und trinken Kaffee.

-Das sagst du schon seit Jahren, aber machen tust du nichts.

Wieder so ein Fall, da rechnet ein Mensch damit, dass etwas passiert, was seit Jahren nicht passiert. Warum hält sie an der Idee fest?

Aber vielleicht müsste ich eher fragen, warum glaube ich, dass sie es nie tun wird? Die Idee dahinter habe ich vermutlich von Antonio Damasio aus „Selbst ist der Mensch“ (aber ich weiß es nicht mehr genau). Und ich habe sie so verinnerlicht, dass ich immer wieder über Menschen staune, die ihr Unbewusstes nicht bei Entscheidungen konsultieren. Zunächst einmal: Ein „Sollte“ ist keine Motivation, die irgendwen irgendwohin bringt, das weiß auch Antonia. Aber es geht, wie gesagt, um das Unbewusste. Lass mich erklären!

Eine bewusste Entscheidung treffen wir nur, wenn das Ereignis so außergewöhnlich ist, dass es den Weg in unser Bewusstsein schafft. Greifen wir gedankenverloren in einer Besprechung nach dem Keksteller, nehmen wir zielsicher unsere Lieblingssorte. Das Unbewusste hat die Aktion gelenkt, und es weiß, was dem Ich gefällt. Jedenfalls dann, wenn wir in unserem Leben schon viele verschiedene Kekse gegessen haben. Es ist wissenschaftlich erforscht, dass eine Wahl, die viel komplexer ist als Kekse, zum Beispiel ein „Haus kaufen“, nachhaltig besser ist, wenn sie unbewusst getroffen wird (beschäftigen muss man sich allerdings trotzdem damit). Unser Verstand mag Pro- und Kontralisten schreiben, aber unser Bewusstsein ist mit den vielen Informationen überfordert. Schließlich verhält sich das Bewusstsein zum Unbewussten wie 1cm zu 11km (=1.100 000 cm) (sagt Vera Birkenbihl). Das heißt, dein Unbewusstes kann viel mehr Informationen gleichzeitig berücksichtigen als dein Bewusstsein. Das Bewusstsein macht spätestens nach sieben Elementen schlapp. Allerdings musst du dein Unbewusstes schulen, sonst macht es das, was die Werbung und andere Menschen ihm anbieten. Die GFK ist da ein gutes Mittel. Fragt man sich regelmäßig (auch nach Enttäuschungen), welches Bedürfnis wollte ich mir damit erfüllen und ist mir das gelungen, impft man ganz automatisch sein Unbewusstes mit den eigenen Werten und Wünschen.

Aber wie können wir im Alltag mit unserem Unbewussten kommunizieren? Träume analysieren ist schön, aber nicht immer träumen wir von der bevorstehenden Entscheidung. Meine Methode ist zu schauen, womit ich mich so gedanklich beschäftige. Was kommt mir völlig unbeeinflusst ins Bewusstsein? Das können Fantasien von Stress oder schlimmer Bedrohungen sein. Hat das etwas mit der bevorstehenden Jobwahl zu tun? Oder mein Verstand läuft auf Hochtouren und überlegt, wie es wäre, eine bestimmte Maltechnik auszuprobieren. Beides kennst du wahrscheinlich. Aber, worauf es sich wirklich lohnt zu achten, ist das, woran man NICHT denkt und was man NICHT tut? Taucht etwas nie im Bewusstsein auf,(es sei denn du wirst gerade daran erinnert), dann ist es für dich nicht relevant (sagt das Unbewusste). Sollte sich daran etwas ändern, dann wird sich das NICHT-denken in Fantasien verwandeln und die Fantasien in Handlungen. Wünsche und Ziele, die man nur hat, wenn man gerade daran erinnert wird, kann man getrost, aussortieren.

Und was heißt das für den Alltag? Wenn du nie den Wunsch hast, eine bestimmte Maltechnik auszuprobieren, dann kannst du die Idee ziehenlassen.

Schenk die Malkreiden lieber deiner Tochter!

Veränderung leicht gemacht


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Viel Zeit für…

Ich hätte jetzt Zeit zu schreiben, aber ein anderes Thema als C… und seine Konsequenzen fällt mir seit Tage schon nicht ein. Mein neuer Flyer ist fertig. Mit viel Zeit und Spaß habe ich am Layout gebastelt. Die Termine werde ich wohl verschieben müssen.

Die Situation ist absurd. Mir geht es gut, aber… Ich freue mich, Freunde (zu zweit) im Stadtpark zu treffen oder mit meiner Mutter zu telefonieren, aber … egal wen ich spreche, sie sind geknickt oder völlig durch den Wind. Nicht dass ich es nicht verstehen könnte. Am liebsten würde ich einen ganzen Blog mit der Botschaft schreiben: „Zieht euch das nicht so rein!“. Der Grund für meinen Widerspruch liegt auf der Hand: mir geht es gut, ich würde diese Lebensfreude gerne teilen, aber die Welt ist mit C… beschäftigt.  Endlich wäre Zeit, sich zu treffen, endlich wäre die Terminfindung (auch in Gruppen) ein Leichtes, endlich könnte man etwas gemeinsam machen, aber …

Tagesfazit:

Das Leben ist schön!

Es ist, trotz Spaziergängen zu zweit, etwas einsam.

Und die Gespräche sind furchtbar einseitig. Mein Dank an all die, die etwas anderes schreiben (können).


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Getrennt und verbunden

(mit Nachklapp: Leichtsinn oder Verantwortung)

Merkwürdige Zeit! Grenzen werden geschlossen. Kontakt wird vermieden. Risikogruppen werden zu ihrem eigenen Schutz isoliert und keiner fragt, wie es ihnen in ihrer Isolation geht.

Es fällt mir leicht, mich aufzuregen. Vor lauter Schutzmaßnahmen für unsere Gesundheit wird das finanzielle Überleben von Selbstständigen und kleinen Unternehmen geopfert. Wie lange soll ich als Trainerin ohne Einkommen klarkommen? Welch ein Glück, dass ich noch einen Nebenjob habe. Wie machen das andere? Restaurants oder Bildungseinrichtungen zum Beispiel. Es gelingt mir nicht, ausschließlich die virale Gefahr zu sehen.

Wenn ich morgens auf meinem Meditationskissen sitze, werden mir meine Gedankenketten bewusst. Ich spüre das Adrenalin. ICH WILL DAS NICHT!

Ok, ein ernsthafter Versuch:

Ohm

„Ich bin nicht meine Gedanken!“

– die Atmung wird tiefer.

„Ich bin nicht das Kratzen im Hals. Ich bin mehr als das.“

– Ich spüre, wie es in meinen Zellen flirrt.

„Ich bin mehr als das!“

– Es beruhigt sich.

Dann geht es wieder von vorne los.

Einfach um mal etwas anderes zu hören, schalte ich das Video von Silke Schäfer an.

Astrologie. Eine andere Welt, so gar nicht wissenschaftlich, aber mal was anderes. Ab und zu setze ich mich gerne anderen Denkweisen aus. Das ist a) spannend und b) eine gute Prävention, um die eigenen Maßstäbe und Bilder nicht für das Alleingültige zu halten.

Im Video gibt es keine medizinischen Erklärungen oder Studien. Schäfer sagt: „Es ist eine Prüfung!“ Eine Prüfung für die, die sich seit Jahren auf den Weg gemacht haben, um eine ganzheitliche Sicht auf die Welt zu bekommen. Eine Prüfung für die, die viel Zeit und Energie in ihre persönliche Entwicklung gesteckt haben. Was macht ihr jetzt? Bleibt ihr im Mitgefühl? Bleibt ihr in der Liebe?

Ein spannender Ansatz! Genau darum geht es in meinen Meditationsversuchen. Kann ich die Gedanken ziehen lassen?

Und genau darum geht es in der Gewaltfreien Kommunikation, kann ich empathisch bleiben? Mit Menschen, die abweisend sind? Mit Journalisten, die die Emotionen anpeitschen? Mit mir, die ich mich frage, was wird in drei Monaten, wenn wir jetzt schon so reagieren? Wenn ich ehrlich bin, meistens kann ich das nicht. Aber wie gut ist es, daran erinnert zu werden.

Gestern beim Spaziergang mit einer Freundin, wir sprechen über DAS Thema. Ich rege mich auf. Aber dann wechseln wir das Thema. Fast schon aus Gewohnheit stelle ich mich emotional auf sie ein und suche die empathische Verbindung. Und, …? Welch eine Erleichterung! Empathie, die ich für sie empfinde, beruhigt mich. Es gibt noch andere Bedürfnisse. Es gibt noch andere Gefühle. Wie schön, für jemand da zu sein, ohne Sorgen, ohne Angst, einfach da. Normale Probleme mit einem normalen Chef.

Da fallen mir die Worte von Silke Schäfer ein: „Geht in die Liebe!“. Das wären nicht meine Worte, aber in der Quintessenz geht es genau darum. Ich würde sagen: Bleibt in Verbindung! Klingt immer noch esoterisch, aber was soll’s. Das Menschsein macht sich nicht an der Länge des Lebens fest. Genauso wenig ist ein gutes Leben ein langes Leben. Warum sag ich das? Weil einem die Angst vor dem, was kommt, Lebensqualität und Mitgefühl vermasseln.

Sieh es als Prüfung! Probiere mal einen anderen Ansatz!

Im Jetzt.

Im Mitgefühl

Und fragend: liebe Kollegin über 60 Jahren, möchtest du überhaupt zu Hause bleiben?

Nachklapp

PS. Meine Mutter, die all meine Texte gegenliest, war heute Morgen sehr aufgebracht: „Du bringst dich in Gefahr! Du bist leichtfertig!!“ – Das glaube ich nicht. Zu wenig Sozialkontakte. Mein Anliegen als Blog-Autorin ist es nicht, Leichtfertigkeit zu fördern. Meiner Anliegen ist es, Ding in den Blick zu nehmen, von denen ich Sorge habe, dass sie hinten dem großen Thema verschwinden. Und als praktizierende Buddhistin daran zu erinnern, BEWUSST zu sein.

Ich will niemand dazu auffordern, sich und andere zu gefährden.

PPS. Mit meiner Kollegin habe ich mittlerweile telefoniert. Sie hat sich sehr über meine Einladung gefreut, doch zur Arbeit zu kommen, und aus Verantwortung für ihre Lieben bleibt sie zu Hause. Wir bleiben telefonisch in Kontakt.


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Angst(frei), ein Selbsttest

Mir ist nicht klar, was mir die Nachrichten rund um den Corona-Virus bringen sollen, also vermeide ich sie, so gut es geht, keine Zeitung, keine Nachrichten. Aber es gelingt mir nicht. Beim Einkaufen an der Kasse streift mein Blick die Tageszeitungen „Zwei Todesfälle in Hamburg“. Mein Adrenalinpegel schnellt nach oben. Ein Freund schickt mir ungefragt einen Link zum Virus. Der Hausmeister verweigert mir den Händedruck. Ein anderer Freund teilt seine fatalistische Meinung: „Viren sind wichtig! Viren sind dafür da, explodierende Bevölkerungszahlen zu regulieren.“ Aha!

Ich glaube nicht, dass der Corona-Virus die Bevölkerungszahlen kontrolliert, aber dass die Medien unsere Köpfe kontrollieren, halte ich schon für wahrscheinlicher. Da muss noch nicht mal Absicht dahinterstehen.

Auf dem Kongress „Angstfrei“ hat der Schweizer Friedensforscher Daniel Ganser über die Wirkung von Medien und Angst berichtet. Darin betont er, dass unser Gehirn die Bedeutung von Nachrichten an der Häufigkeit festmacht, mit der wir sie hören, nicht an der Wahrscheinlichkeit, mit der sie uns treffen. Bei dieser Häufigkeit ist es völlig egal, ob die Nachricht als Vermutung, als Tatsache oder als „noch zu prüfen“ formuliert wurde, Hauptsache, das passende Schlagwort kommt darin vor. Das wissend frage ich mich gerade, ob es gut ist, mit meinem Blog noch eine Nachricht ins Internet zu werfen. Schließlich bin ich jetzt Teil des Medienhypes.

Das, was unser Hirn mit der Nachrichtenfrequenz und der Einschätzung der Situation macht, nennt man „kognitive Verzerrung“. Der Sozialforscher Daniel Kahneman hat sie an sich selbst, an Probanden und seinen wissenschaftlichen Kollegen getestet. Ergebnis: auch Fachleute gehen der „kognitive Verzerrung“ auf den Leim. Es gibt aber einen Trick, den auch wir anwenden können. Nämlich: Wir wissen, dass unser Hirn diesen Fehler macht und können das bewusst hinterfragen.

Wie oft hast du in letzter Zeit von Corona gehört. Und für wie gefährlich schätzt du den Virus ein? Passt das zur statistischen Wahrscheinlichkeit?

In diesem Zusammenhang versteht man die Buddhistische Weisheit besser: Glaube nicht alles, was du denkst! Die Buddhisten scheinen die „kognitive Verzerrung“ schon lange vor den Sozialwissenschaftlern verstanden zu haben.

Und in Zeiten wie heute ist es gut, ein paar Tricks auf Lager zu haben, falls man mit negativen Nachrichten bombardiert wird oder am Bildzeitungsständer vorbeikommt.

  1. Überprüfe deine Annahmen.

Gesagt getan: Ich google „Zwei Tote in Hamburg“ und stelle fest, den Titel gibt es nicht. Die letzte Nachricht von zwei Toten stammt vom November 2019. Unglaublich, was mein Hirn daraus gemacht hat. Die journalistische Pflicht, Nachrichten zu überprüfen, scheint etwas wert zu sein. Trotzdem hat mir der zweite Tipp zum Umgang mit Angst geholfen. Genau genommen hat er es erst möglich gemacht, dass ich die Nachrichten heute überprüfe.

  1. Wenn du Angst hast, atme tief und bewusst. Nicht nur Luft holen, sondern dem gesamten Atemfluss folgen. Einatmen, die Luft strömt durch die Nase ein, ausatmen, der Brustkorb senkt sich.

Mach das ein paar Mal, und dann schau, was aus deiner Angst geworden ist. Meine ist weg.

Und ein Mann aus Sri Lanka, der geduldig nach einem Tsunami sein Haus wieder aufbaut, sagt etwas zu dem ICH, das da Angst hat. „Wer bin ich, dass ich mich selbst, mein Leben und Leid so wichtig nähme? Ich tue, was ich tun muss. Haus bauen, Familie versorgen…“

Guter Vorschlag! Lasst uns tun, was wir tun müssen.

Atmen, Nachrichten überprüfen, arbeiten, Freunde sehen.


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Liebe – Macht – Schuld

Geliebte und ungeliebte Kräfte in unserem Leben

„Er bedeutet mir alles. Ihm gehört mein Leben.“ – „Ich liege ihr zu Füßen. Sie hat jede Macht über mich.“

Wovon sprechen die, Macht? – Nein, Liebe.

Zugegeben, so redet heute kaum noch jemand. Doch die alte Ausdrucksweise drückt eine Verbindung aus, die viele Menschen heutzutage nicht wahr haben oder gar leugnen wollen. Liebe hat etwas mit Macht zu tun. Wenn wir lieben, wenn wir das Gefühl in seiner vollen Größen zulassen, dann geben wir anderen Macht über uns. Ob bewusst oder unbewusst gewähren wir einem anderen Menschen Einfluss auf unsere Gefühle und unser Leben.

Während die positive Bedeutung  der Liebe ungebrochen ist, ist „Macht“ für viele Menschen ein schwieriger Begriff. Er wird mit einem aufgeblasenen Ego, mit ungestilltem Machthunger und dem Gang über Leichen in Verbindung gebracht. Kein Wunder, dass eine meiner Teilnehmerinnen in meinem letzten Workshop mit der Frage rausplatze: „Muss man das Macht nennen?“

Eine gute Frage! Alternativ gibt es „Verantwortung“ oder „Wirksamkeit“. Doch ich frage mich, ob das reicht? Verantwortung zu übernehmen ist sinnvoll, dass mein Handeln wirksam ist, auch. Aber reicht das? Brauchen die Probleme in unserem Leben und auf diesem Planeten nicht mehr als das?

Das Problem mit der Macht ist nicht die Macht, es ist der Machtmissbrauch. Habe ich Macht, dann ist der Schaden, den ich anrichten kann, viel größer, als wenn ich keine Macht hätte. Menschen ohne Macht verhalten sich vermutlich keinen Deut besser als Menschen mit Macht, vielleicht sogar noch schlimmer. Nur bei den Machtlosen merken es nicht so viele Menschen, wenn sie Mist bauen. Und „Mist bauen“ heißt leider oft „Gewalt anwenden“, mal physisch, mal emotional oder verbal.

Ein interessantes Licht wirft Hannah Arendt auf das Thema. Die Philosophin hat sich intensiv mit den Gräueltaten und der Verantwortungslosigkeit im Hitlerregime beschäftigt, und sie kommt zu dem Schluss: „Gewalt ist die Abwesenheit von Macht!“ – Wirklich?

Da muss ich erstmal drüber nachdenken. Jemand, der gewalttätig ist, soll keine Macht haben? Offensichtlich setzt sie physische Überlegenheit nicht mit Macht gleich, was viele andere tun. Nochmal, „Gewalt ist die Abwesenheit von Macht!“, es braucht etwas Mut da hinzufühlen.

Da schlägt einer zu und raubt die Handtasche. Schlägt er zu, weil er keine Macht hat? Vielleicht hat er nicht genug Macht in der geschäftlichen Welt, um sein Geld zu verdienen? Ein Vater schlägt sein Kind. Schlägt er es, weil er sich machtlos fühlt? Es nicht aufhört zu schreien? All seine Interventionen nichts nützen? Wäre er mit einem Gefühl von Macht, Standing und Wirksamkeit verbunden, dann würde die Szene anders ausgehen, das sagt zumindest Hannah Arendt.

Und die Schuld? Die meisten Menschen haben keine Schwierigkeiten, sie im Umfeld der Macht anzusiedeln. Aber warum „Macht Liebe Schuld“, um das Wortspiel aufzugreifen?

Eine Freundin von mir sagte einmal, als wir von ihrer kriselnden Beziehung sprachen: „Ich mag die Frau nicht, die ich an seiner Seite geworden bin!“ Und ein anderer Freund meinte zu seiner Ex-Beziehung: „Ich hab mich verbogen! Es war nicht gut. Aber ich habe sie so geliebt.“ Was ist passiert? Sie haben sich beide für die Liebe entschieden, was an sich gut ist. Nur wenn man sich gleichzeitig gegen die eigene Macht entscheidet, dann kann es passieren, dass  man in eine Sackgasse gerät. Dann bleibt praktisch nur noch das „Schuldig-machen“, um irgendwie weiterleben zu können. Schuld passiert zwischen den Polen „Liebe und Macht“. Dabei spreche ich nicht von der Schuld, die bei einem absichtlichen Vergehen oder Verbrechen entsteht. Ich meine die systemische Schuld, die natürlicher Teil des Lebens ist. Egal wie man sich verhält, man macht sich schuldig.

Es lohnt sich, das genauer anzuschauen: Gehen wir ganz in der Liebe auf und leugnen unsere Macht, unsere Freiheit und unser So-Sein, dann machen wir uns an unserem eigenen Leben schuldig. Und leugnen wir unsere Liebe, indem wir alles auf die Macht, die Unabhängigkeit und die Karriere setzen, dann machen wir uns an unserer Liebe schuldig. Nur ein Kind entgeht der Verantwortung, sich im Leben zu positionieren. Wir Erwachsenen haben da keine Wahl.

Diese Mächte im eigenen Leben anzuerkennen, ist keine einfache Sache!

Aber jetzt stell dir mal vor, du könntest mit allen dreien umgehen, wie würde dein Leben dann aussehen?


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Braucht dein Selbstbild ein Up-Date?

Wann hast du das letzte Mal dein Selbstbild überholt? Bei größeren Veränderungen im Leben wird es meist notwendig. Denn oft kommen wir nicht weiter, ohne unser Selbstverständnis zu ändern. Zum Glück musst du für ein Up-Date deiner Seele nicht auf einen Misserfolg oder die nächste größere Veränderung warten. Du kannst gleich damit beginnen.

Ein kleiner Selbst-Quiz gefällig?

  1. Frage drei Menschen, die dich gut kennen (Kollegen, Freundinnen, Partner) „Wie wirke ich?“ (Aber zuerst beantworte dir selbst diese Frage.)

GFK Smileys

  1. Für die nächste Frage antworte schnell und spontan mit dem ersten, was dir in den Kopf kommt.

„Die Welt ist voller ___________!“

  1. Was sagst du dir als erstes, wenn du einen Fehler gemacht hast? __________

Und? Hast du den Mut, andere zu fragen? Vielleicht reicht dir die Vorstellung, um die Idee gleich wieder fallen zu lassen. Warum ist das so?

Den meisten von uns ist der Unterschied zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung irgendwo bewusst. Negative Urteile schmerzen und positive verpflichten. In der Hierarchie der wichtigsten Dinge, auf die unser Hirn ständig achtet, liegt die Frage: „Bin ich ok?“ (sozial und körperlich) gleich an zweiter Stelle. Den ersten Platz halten übrigens überlebenswichtige Funktionen unseres Körpers. Und damit da nichts schief läuft, wird Platz 1 vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Unser Bewusstsein wäre mit Atmung, Zuckerspiegel und Schlafbedürfnis schnell überfordert. Dafür kümmert es sich um Platz 2, die existentielle Frage, „Bin ich ok?“. „Ok“ im Sinne von anerkannt, dazugehörig und sicher in der Gemeinschaft. Eine Verunsicherung hier bringt unseren Selbstwert ins Wanken und macht es fast unmöglich, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Dieser Bedeutung ist es geschuldet, dass unser Hirn uns für die richtige Einschätzung belohnt, selbst wenn die Einschätzung negativ ist. Sich selbst für schwach zu halten, bringt einen nicht um, wenn man sich entsprechend verhält. Sich für stark zu halten, es aber gar nicht zu sein, hingegen schon.

Wenn die richtige Selbsteinschätzung so wichtig ist, warum sind wir nicht dankbar für jedes Feedback, das uns hilft, uns selbst realistischer zu sehen? Weil das gleichzeitig heißt, dass wir die negativen Gefühle, mit denen unser Gehirn auf „falsche“ Selbsteinschätzung reagiert, aushalten müssen. Da relativieren wir doch lieber das Feedback: „Ach, die sagt das nur, um nett zu sein!“ oder „der kann das gar nicht beurteilen!“

Wir wechseln nun die Blickrichtung von innen nach außen. Wie siehst du die Welt? Schau einmal auf die Antwort der zweiten Frage. Wenn die Welt voller ___________  ist, wie lebt es sich darin? Fühlst du dich wohl? Weißt du die Gesellschaft zu schätzen oder bist du chronisch angenervt?

Diese Sichtweise ist dein persönlicher Filter. Der Filter funktioniert genauso wie das Phänomen, dass, sobald du ein Wohnmobil kaufen willst, von heute auf morgen die Straßen voll davon sind. Wo waren die nur vorher? – Nun, sie fanden den Weg durch deinen persönlichen Filter nicht. Bewusst oder unbewusst entscheiden wir uns, einem Teil der Welt besondere Beachtung zu schenken, das können „Idioten“ genauso wie „Probleme“ oder „schöne Menschen“ sein.

Damit hat unsere Wahrnehmung einen großen Einfluss darauf, wie es uns geht. Die gleiche Bedeutung haben Selbstgespräche. Schau‘ dir noch mal deine Antwort von Frage 3 an. Was würdest du deiner besten Freundin sagen, wenn sie so mit dir spräche? Wärt ihr noch Freunde? Bist du deine eigene Freundin. Glückwunsch, wenn ja! Aber woher hast du das?

Wenn du dich noch nie mit dieser Frage befasst hast, hast du diese Worte mit ziemlicher Sicherheit schon als Kind hundertmal gehört. Lange bevor wir uns bewusst mit unserer Identität auseinandersetzen, verinnerlichen wir die Sätze von unseren wichtigsten Bezugspersonen: „Das hättest du wissen müssen!“, „Wie kann man nur so blöd sein?“ oder „Wie ärgerlich, was machen wir jetzt?“.

Sich das bewusst zu machen, ist unangenehm, aber der erste Schritt deine Filter und Selbstgespräche selbst-bewusst zu gestalten.

Es ist Zeit für ein persönliches Up-Date!*

*Aber Vorsicht, das Up-Date startet mit unangenehmen Gefühlen! Der Benefit kommt später.  

 


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Lebst du deine Künstlernatur?

Bei „Künstler“ fällt mir Andy Warhol, Picasso oder Vincent van Gogh ein. Das sind Künstler! Regine Landwehr? Who is that? Geht dir das auch so?

Die Bestellerautorin Pam Grout sieht das das anders. Sie ist überzeugt,  dass Kreativität in jedem von uns steckt. Um uns davon zu überzeugen, zieht sie in „Entfessele deine Kreativität“ alle Register. Die Welt braucht deine Kreativität, ganz egal für wie dilettantisch du dich hältst. Dilettantisch, das kommt doch von „dilettare“. Das ist Italienisch und heißt „jemanden erfreuen“. Komisch, dass „jemanden erfreuen“ den gleichen Ursprung hat wie „Dilettant“. Heute ist ein „Dilettant“ jemanden, der keine Ahnung von seinem Fach hat. Aber bei den Römern war ein Dilettant noch jemand, der sich an seiner Tätigkeit erfreute. Eigentlich etwas, was wir uns alle wünschen. Aber unsere Gesellschaft ist der Ansicht, dass Fachleute sich ernsthaft mit ihrem Fach beschäftigen. Da ist kein Platz für Freude. Da geht es um den Ernst des Lebens. Also kein Wunder, dass Kreativität nur ernsthaften Künstlern vorbehalten ist.

Den Weg vom freudigen Dilettanten zum Verurteilung-fürchtenden Erwachsenen nennt man „erwachsen werden“. Das Theaterstück nach Robert Fulghums Essay „Alles, was du wissen musst, hast du schon als Kind gelernt“ zeigt die traurige Entwicklung. Im ersten Akt fragt die Kindergärtnerin die Kleinen:

-Wer von euch ist Tänzer? Alle rufen: Ich! Ich!

-Wer von euch ist Sänger? Wieder krähen die Kinder laut durcheinander und alle Hände gehen in die Höhe.

-Wer von euch ist Dichter? Der gleiche freudige Tumult.

Jahre später in der 4. Klasse, die Kinder werden noch einmal gefragt. Jetzt sieht das Ergebnis anders aus. Bei der gleichen Frage fällt die Reaktion verhalten aus. Nur ein Drittel der Schüler hebt die Hand. Und in der Oberstufe? Du kannst es dir schon denken. Ein, zwei verstohlene Handzeichen, mehr nicht.

Und zu welcher Gruppe gehörst du? Würdest du dich als Künstlerin, als Künstler bezeichnen?  Wenn nicht, wer hat dich vom Gegenteil überzeugt? Kreativität ist ein Grundbedürfnis. Und sie muss gepflegt werden, sonst verkümmert sie wie eine vergessene Blume auf dem Balkon. Und da stehen mitunter viele trockene Blumen.

Die eigene Arbeit ist von Lean Managern optimiert, das ist zwar effizient, der einzelne wird austauschbar, und die Freude an der Arbeit? Wir essen Speise, die andere gekocht und eingefroren haben. Wir schauen Sendungen, die andere entwickelt haben. Und wir hören Musik, die andere gemacht haben. Doch in uns schreit es nicht auf: SELBER MAAACHEEEN!!! Stolz zeigen wir die neuste Kamera unseren Freunden. Je mehr sie kann (also uns abnimmt), umso besser. Aber worauf sind wir da stolz? Dass wir mit einem langweiligen Job das Geld verdienen, um uns ein Gerät zu leisten, das nicht mehr als eine Fingerbewegung von uns verlangt? Wo ist die Freude, wenn man den Abzug durch das Entwicklerbad zieht und langsam die schwarzen Konturen auf dem weißen Fotopapier sichtbar werden? Die Digitalisierung hat viele Vorteile, ganz klar, aber sie hat uns vor allem Schnappschüsse beschert, gute Fotos und damit gute Hobbyfotografen findet man heute selten.

Und welche Blume möchtest du gießen? Möchtest du ein neues Kochrezept erfinden oder lieber mit dem Malen anfangen? Wann hast du das letzte Mal mit der Familie gesungen, wie das vor der Erfindung des Radios jeder tat?

Gieße deine Pflanze, du musst sie nicht Kunst nennen. Manche machen einfach nur ihr „Ding“.


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Regel Nr. 1 oder Risiko?

Regel Nr.1 – Finde die Regel und alles wird gut!

Und so geht‘s: Deine Freundin kommt tierisch zu spät.

Regel Nr. 1: Komme nie wieder pünktlich.

Ich style mich zur Mündlichen und verhaue die Prüfung.

Regel Nr. 1: Style dich nie zu einer Prüfung! Das verhindert das Durchfallen nicht, dafür kannst du die Kleider hinterher ohne Schamgefühle tragen.

Und…

du grüßt den Nachbarn und er grüßt nicht zurück.

Regel Nr. 1: Grüße niemals Nachbarn.

Tia, was soll ich sagen. Es hat nicht geklappt. Unangenehme Situationen lassen sich nicht vermeiden, denn…

was ist das für ein Leben, wenn man nie wieder den Nachbarn grüßt, nie wieder Workshops gibt, nie wieder liebt, nie wieder die beste Freundin sieht? – Ziemlich mies.

Versuch Nr. 2 – Jahre später, mitten in der Nacht, ich kann nicht schlafen. Da ist es doch ein Glück, dass Brené Brown mit ihrem Buch: „Laufen lernt man nur durch Hinfallen“ mir Gesellschaft leistet. Ich muss gestehen, die Regel Nr.1 habe ich nicht gefunden. Und damit nicht genug: sie schreibt vom „gut-genug-sein“ und erklärt ausführlich, warum Perfektionismus uns nicht weiterbringt (die entsprechenden Blogtexte habe ich verlinkt). Aber vor allem schreibt sie, dass ein lebenswertes Leben darin besteht, dass man etwas riskiert.

Aktienhandel ist damit nicht gemeint. Es geht um das Risiko in der Art: Du gestehst deine Liebe und weiß nicht, ob sie erwidert wird. Du zeigst dein Kunstwerk und weißt nicht, ob es gefällt. Dummerweise sind risikobehaftete Dinge die Dinge, die uns am Herzen liegen. Und es sind die Dinge, die richtig wehtun, wenn es daneben geht

Das heißt, wenn ich nie wieder liebe, nie wieder meine Bilder zeige, nie wieder Fremde grüße, dann verzichte ich auf die besonderen Momente im Leben. Ich verzichte auf das, was mich begeistert und glücklich macht. Die Komponenten „mir-wichtig“ und „sehr- verletzlich“ gehören leider zusammen.

Das Regel-Nr.-1-Fieber versucht die Scham zu vermeiden und spült die Lebensfreude gleich mit in den Gulli. Das Leben lässt sich nicht selektiv leben. Es ist ein Ganzes, und unangenehme Teile lassen sich nicht verbannen. Will ich „aus vollem Herzen“ leben, dann bleibt im Falle eines Scheiterns nur der schmerzhafte Weg durch die Krise. Unterstützung ist da angebracht und sogar gewünscht.

Wenn du also mitten in „Das will ich nie wieder erleben!“ steckst, wenn du auf Rache sinnst, wenn du dich in deinen Selbstvorwürfen selbst übertriffst und die Niederträchtigkeit der Welt gerade bewiesen ist, dann (ich weiß, es ist schwer) begegne all dem mit Neugier. Haue den Keil eines Fragezeichens zwischen die Wirklichkeit und deine Überzeugung. Trete innerlich einen Schritt zurück und frage dich:

Schau an, was mache ich aus diesem Erlebnis?

-Ich winde mich wie ein Aal vor Scham. Ich bin so selbstbewusst in die Prüfung gegangen. Ich weiß, ich war kaum vorbereitet. Ich dachte, das mach ich mit links!

Welche Überzeugung ist gerade in Stücke zersprungen?

-Kleider machen Leute. Ich trete souverän auf, labere ein bisschen und dann habe ich die gute Note in der Tasche.

Und wo ist das Delta, der Unterschied, wie die Welt ist und wie ich sie beurteile?

In diesem Fall lag das Delta zwischen meiner Selbsteinschätzung und meinem Können. Rückwirkend würde ich sagen, mir fehlte der Respekt vor der Aufgabe.

Wir können von Glück reden, wenn die Lehren, die wir aus solchen Erlebnissen ziehen, nicht zu haarstäubend sind. Wenn sie uns näher an die Wirklichkeit und an eine gesunde Selbsteinschätzung bringen. Denn dann macht uns ein solches Erlebnis reifer und bereitet uns auf die nächste risikobehaftete Herausforderung des Lebens vor. Genau hinzuschauen, es lohnt sich!


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Die Perfektionisten-Falle

-Oh, Mist, das Layout sitzt nicht richtig. Und die Formulierung ist so ungeschliffen.

Aber schon 100x geprüft, 200x gegengelesen.

-200x nicht, aber…

-Genau, warum bist du noch nicht im Bett? Warum bist du noch nicht zu Hause?

Die Nachbarbüros sind dunkel. Der Bewegungsmelder im Flur reagiert schon lange nicht mehr. Fleißigste Mitarbeiterin, du! Du starrst auf dem Bildschirm. Die Zahlen verschwimmen. Aber die Vorstellung, dass du morgen, vor allen…

-Ok, ich gehe es nochmal durch.

Ein Fehler… unvorstellbar…

22:43 Uhr

-Soll ich das doch nochmal umschreiben? Es klingt so unprofessionell!

STOP!

Zu extrem das Beispiel? Nie eine ähnliche Erfahrung gemacht, nie gedacht: Hätte ich das bloß nicht geändert? Stunden mit einer Sache zugebracht, die eigentlich schon fertig war. Die, wenn man es einmal ohne Perfektionismus betrachtet, gut genug war?

Damit bist du nicht allein. Die Idee, dass uns Perfektion vor Kritik und anderen schmerzhaften Erfahrungen schützt, ist weit verbreitet. Nicht selten wird diese Annahme von Arbeitgebern und Eltern unterstützt. Sätze wie: „Was sollen nur die andern denken?“ sollen zu Höchstleistungen motivieren, aber in Wirklichkeit lähmen sie. Perfektion hilft nicht, sie frisst das Selbstbewusstsein, die Freizeit und den Schlaf.

Lass die Perfektion nicht der Feind des Getanen sein!

Brené Brown bringt Perfektionismus mit einem übermäßigen Schamgefühl in Verbindung. Perfektionismus ist der schwere Schild, der uns vor dem schlimmsten aller Gefühle, der Scham, schützen soll. Wenn sie zuschlägt, dann stecken wir im Loch der schwärzesten Überzeugung, dass wir jedes Recht verwirkt haben, dazuzugehören. Vor uns selbst und anderen haben wir jede Achtung verloren. Und als soziale Wesen, die wir nun einmal sind, lernen wir schnell, das um jeden Preis zu vermeiden. Perfektion scheint da eine gute Strategie. Wenn ich alles richtig mache, werde ich geliebt, vermeide Kritik, werde geschätzt. Aber wehe, wenn dem nicht so ist!

Perfektion ist eine Lüge, es gibt sie nicht. Es ist unmöglich perfekt zu sein, es ist unmöglich alles unter Kontrolle zu haben.

Stattdessen wendet sie sich früher oder später gegen uns selbst. Sie ruiniert unsere Gesundheit und ganz sicher den Schlaf. Eine Zeitlang hilft sie, die Leistung zu steigern, bis sie in das Gegenteil umschlägt. Wir verpatzen den Termin. Unausgeschlafen und mit einem zu Tode korrigierten Entwurf, da muss der Chef doch wirklich mal sagen:

-So nicht, Frau Landwehr!

Es ist Zeit, der Perfektion und nicht dir selbst den Kampf anzusagen. Es ist Zeit, die bewegliche Messlatte herunterzureißen, die immer, wenn du ihr nahe kommst, sich ein bisschen nach oben verschiebt. Es ist Zeit, dir selbst zu sagen, dass du so, wie du bist, gut genug bist.

Eine kleine Übung gefällig? (Die man natürlich perfekt ausführen könnte!)

Schreibe jeden Morgen fünf Dinge auf, die du gestern getan hast, die „gut genug“ waren.

Warum?

Weil du gut genug bist!


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Überlasse den Humor nicht den Komikern

Wann hast du das letzte Mal über dich selbst gelacht? Vergiss nicht, neben Computerkenntnissen und technischem Know-How auch deinen Humor zu schulen.

Humor schafft Verbindung. Er ist die weise Antwort auf das Paradoxe im Leben. Er ist oft die einzige Antwort auf den unerträglichen Schicksalsschlag. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Über all das, was nicht sein darf, aber trotzdem ist. Schon mal versucht einen Witz zu erzeugen? Versuch es einmal! Man baut eine logische Kette auf und verschiebt das Ende ein klein wenig ins Absurde. Die Absurdität, das Unerwartete erzeugt eine Spannung, die sich im Gelächter auflöst.

Humor ist jederzeit möglich. Auch in der Trauer, wenn Mutter und Sohn um den Vater weinen und sie ihn fragt: Erinnerst du dich an Papa? und der Halbstarke antwortet: „Oh ja, er steht ganz lebendig vor meinem inneren Auge und schreit: Jetzt räum´ endlich deinen Scheiß weg, du Hurensohn!“

Mit Humor können wir Fehler sehen als das, was sie sind – menschlich! Nur ohne Humor kann man glauben, dass Perfektion möglich ist. Das Leben lehrt uns die Menschlichkeit, indem es uns daran scheitern lässt, die vollständige Kontrolle zu erlangen. Das lässt sich mit Humor viel leichter ertragen als ohne.

Humorvoll bin ich, wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme. Und humorvoll kann ich nur sein, wenn ich an meinen Wert glaube. Humor verändert den Blick. Er lässt einen aus der Situation treten und von außen schauen. Einmal vor Jahre, ich jobbe bei einer Reitveranstaltung und bewache eine überdachte Tribüne – ZUTRITT nur gegen AUFPREIS! Es regnet, der Ticketschalter ist Kilometer weit entfernt und eine Gruppe von jungen Leuten klettert kurzerhand über die Abgrenzung. Empört schreie ich auf und renne die hinter Reihe entlang. Doch die Tribüne besteht aus zwei Teilen, und am Stoß verläuft auf Knöchelhöhe eine Strebe. Die sehe ich natürlich nicht, da ich das Jungvolk wütend, zeternd und mit den Armen fuchtelnd im Blick habe. Mein Fuß trifft die Strebe und ich verschwinde der Länge nach zwischen den Bänken. Ich sehe mich selbst wie in Zeitlupe. Die Bretterbohlen vor der Nase, eingeklemmt zwischen zwei Sitzreihen muss ich so lachen, dass ich kaum hoch kommen. Lachend und um Ernst ringend bugsiere ich die Männer und Frauen hinaus. Sie taxieren mich mit unsicherem Blick und geben sich die größte Mühe, ihr Grinsen zu verbergen.

Humor braucht Mut und innere Selbstsicherheit. Der Blick von außen ist oft mit Angst besetzt. Er kann verletzen. Das Menschliche, unfreiwillig ans Licht gezerrt, ist beschämend. Der Spott als Humor getarnt, ist ein Ablenkungsmanöver nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung!“ Spott zeugt weder von Selbstbewusstsein noch von Menschlichkeit. Er verschleiert die Angst, selbst bloßgestellt zu werden. Während Humor über das Menschliche in uns allen lacht, stellt Spott den anderen alleine nackt auf die Bühne.

Der Unsichere ist humorlos. Bier-ernst und schein-heilig versucht er das Menschliche, das Paradoxe, das Schäbige zu leugnen. Er tut so, als wäre Perfektion möglich, als wäre Makellosigkeit erreichbar. Er tut so, als wäre das hier zu heilig, als dass es etwas zu lachen gäbe. Aber wir sind keine Götter. Und … warum fällt es Gott so viel leichter zu lachen? Wie macht er das? Er ist verbunden und distanziert. Er stellt nichts zwischen sich und die Menschen und sieht die Welt von außen – und  lacht!

siehe auch:

GFK und Humor – Workshop an den Hamburger GFK-Tagen am 23. März 19