Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen


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Braucht dein Selbstbild ein Up-Date?

Wann hast du das letzte Mal dein Selbstbild überholt? Bei größeren Veränderungen im Leben wird es meist notwendig. Denn oft kommen wir nicht weiter, ohne unser Selbstverständnis zu ändern. Zum Glück musst du für ein Up-Date deiner Seele nicht auf einen Misserfolg oder die nächste größere Veränderung warten. Du kannst gleich damit beginnen.

Ein kleiner Selbst-Quiz gefällig?

  1. Frage drei Menschen, die dich gut kennen (Kollegen, Freundinnen, Partner) „Wie wirke ich?“ (Aber zuerst beantworte dir selbst diese Frage.)

GFK Smileys

  1. Für die nächste Frage antworte schnell und spontan mit dem ersten, was dir in den Kopf kommt.

„Die Welt ist voller ___________!“

  1. Was sagst du dir als erstes, wenn du einen Fehler gemacht hast? __________

Und? Hast du den Mut, andere zu fragen? Vielleicht reicht dir die Vorstellung, um die Idee gleich wieder fallen zu lassen. Warum ist das so?

Den meisten von uns ist der Unterschied zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung irgendwo bewusst. Negative Urteile schmerzen und positive verpflichten. In der Hierarchie der wichtigsten Dinge, auf die unser Hirn ständig achtet, liegt die Frage: „Bin ich ok?“ (sozial und körperlich) gleich an zweiter Stelle. Den ersten Platz halten übrigens überlebenswichtige Funktionen unseres Körpers. Und damit da nichts schief läuft, wird Platz 1 vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Unser Bewusstsein wäre mit Atmung, Zuckerspiegel und Schlafbedürfnis schnell überfordert. Dafür kümmert es sich um Platz 2, die existentielle Frage, „Bin ich ok?“. „Ok“ im Sinne von anerkannt, dazugehörig und sicher in der Gemeinschaft. Eine Verunsicherung hier bringt unseren Selbstwert ins Wanken und macht es fast unmöglich, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Dieser Bedeutung ist es geschuldet, dass unser Hirn uns für die richtige Einschätzung belohnt, selbst wenn die Einschätzung negativ ist. Sich selbst für schwach zu halten, bringt einen nicht um, wenn man sich entsprechend verhält. Sich für stark zu halten, es aber gar nicht zu sein, hingegen schon.

Wenn die richtige Selbsteinschätzung so wichtig ist, warum sind wir nicht dankbar für jedes Feedback, das uns hilft, uns selbst realistischer zu sehen? Weil das gleichzeitig heißt, dass wir die negativen Gefühle, mit denen unser Gehirn auf „falsche“ Selbsteinschätzung reagiert, aushalten müssen. Da relativieren wir doch lieber das Feedback: „Ach, die sagt das nur, um nett zu sein!“ oder „der kann das gar nicht beurteilen!“

Wir wechseln nun die Blickrichtung von innen nach außen. Wie siehst du die Welt? Schau einmal auf die Antwort der zweiten Frage. Wenn die Welt voller ___________  ist, wie lebt es sich darin? Fühlst du dich wohl? Weißt du die Gesellschaft zu schätzen oder bist du chronisch angenervt?

Diese Sichtweise ist dein persönlicher Filter. Der Filter funktioniert genauso wie das Phänomen, dass, sobald du ein Wohnmobil kaufen willst, von heute auf morgen die Straßen voll davon sind. Wo waren die nur vorher? – Nun, sie fanden den Weg durch deinen persönlichen Filter nicht. Bewusst oder unbewusst entscheiden wir uns, einem Teil der Welt besondere Beachtung zu schenken, das können „Idioten“ genauso wie „Probleme“ oder „schöne Menschen“ sein.

Damit hat unsere Wahrnehmung einen großen Einfluss darauf, wie es uns geht. Die gleiche Bedeutung haben Selbstgespräche. Schau‘ dir noch mal deine Antwort von Frage 3 an. Was würdest du deiner besten Freundin sagen, wenn sie so mit dir spräche? Wärt ihr noch Freunde? Bist du deine eigene Freundin. Glückwunsch, wenn ja! Aber woher hast du das?

Wenn du dich noch nie mit dieser Frage befasst hast, hast du diese Worte mit ziemlicher Sicherheit schon als Kind hundertmal gehört. Lange bevor wir uns bewusst mit unserer Identität auseinandersetzen, verinnerlichen wir die Sätze von unseren wichtigsten Bezugspersonen: „Das hättest du wissen müssen!“, „Wie kann man nur so blöd sein?“ oder „Wie ärgerlich, was machen wir jetzt?“.

Sich das bewusst zu machen, ist unangenehm, aber der erste Schritt deine Filter und Selbstgespräche selbst-bewusst zu gestalten.

Es ist Zeit für ein persönliches Up-Date!*

*Aber Vorsicht, das Up-Date startet mit unangenehmen Gefühlen! Der Benefit kommt später.  

 


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Lebst du deine Künstlernatur?

Bei „Künstler“ fällt mir Andy Warhol, Picasso oder Vincent van Gogh ein. Das sind Künstler! Regine Landwehr? Who is that? Geht dir das auch so?

Die Bestellerautorin Pam Grout sieht das das anders. Sie ist überzeugt,  dass Kreativität in jedem von uns steckt. Um uns davon zu überzeugen, zieht sie in „Entfessele deine Kreativität“ alle Register. Die Welt braucht deine Kreativität, ganz egal für wie dilettantisch du dich hältst. Dilettantisch, das kommt doch von „dilettare“. Das ist Italienisch und heißt „jemanden erfreuen“. Komisch, dass „jemanden erfreuen“ den gleichen Ursprung hat wie „Dilettant“. Heute ist ein „Dilettant“ jemanden, der keine Ahnung von seinem Fach hat. Aber bei den Römern war ein Dilettant noch jemand, der sich an seiner Tätigkeit erfreute. Eigentlich etwas, was wir uns alle wünschen. Aber unsere Gesellschaft ist der Ansicht, dass Fachleute sich ernsthaft mit ihrem Fach beschäftigen. Da ist kein Platz für Freude. Da geht es um den Ernst des Lebens. Also kein Wunder, dass Kreativität nur ernsthaften Künstlern vorbehalten ist.

Den Weg vom freudigen Dilettanten zum Verurteilung-fürchtenden Erwachsenen nennt man „erwachsen werden“. Das Theaterstück nach Robert Fulghums Essay „Alles, was du wissen musst, hast du schon als Kind gelernt“ zeigt die traurige Entwicklung. Im ersten Akt fragt die Kindergärtnerin die Kleinen:

-Wer von euch ist Tänzer? Alle rufen: Ich! Ich!

-Wer von euch ist Sänger? Wieder krähen die Kinder laut durcheinander und alle Hände gehen in die Höhe.

-Wer von euch ist Dichter? Der gleiche freudige Tumult.

Jahre später in der 4. Klasse, die Kinder werden noch einmal gefragt. Jetzt sieht das Ergebnis anders aus. Bei der gleichen Frage fällt die Reaktion verhalten aus. Nur ein Drittel der Schüler hebt die Hand. Und in der Oberstufe? Du kannst es dir schon denken. Ein, zwei verstohlene Handzeichen, mehr nicht.

Und zu welcher Gruppe gehörst du? Würdest du dich als Künstlerin, als Künstler bezeichnen?  Wenn nicht, wer hat dich vom Gegenteil überzeugt? Kreativität ist ein Grundbedürfnis. Und sie muss gepflegt werden, sonst verkümmert sie wie eine vergessene Blume auf dem Balkon. Und da stehen mitunter viele trockene Blumen.

Die eigene Arbeit ist von Lean Managern optimiert, das ist zwar effizient, der einzelne wird austauschbar, und die Freude an der Arbeit? Wir essen Speise, die andere gekocht und eingefroren haben. Wir schauen Sendungen, die andere entwickelt haben. Und wir hören Musik, die andere gemacht haben. Doch in uns schreit es nicht auf: SELBER MAAACHEEEN!!! Stolz zeigen wir die neuste Kamera unseren Freunden. Je mehr sie kann (also uns abnimmt), umso besser. Aber worauf sind wir da stolz? Dass wir mit einem langweiligen Job das Geld verdienen, um uns ein Gerät zu leisten, das nicht mehr als eine Fingerbewegung von uns verlangt? Wo ist die Freude, wenn man den Abzug durch das Entwicklerbad zieht und langsam die schwarzen Konturen auf dem weißen Fotopapier sichtbar werden? Die Digitalisierung hat viele Vorteile, ganz klar, aber sie hat uns vor allem Schnappschüsse beschert, gute Fotos und damit gute Hobbyfotografen findet man heute selten.

Und welche Blume möchtest du gießen? Möchtest du ein neues Kochrezept erfinden oder lieber mit dem Malen anfangen? Wann hast du das letzte Mal mit der Familie gesungen, wie das vor der Erfindung des Radios jeder tat?

Gieße deine Pflanze, du musst sie nicht Kunst nennen. Manche machen einfach nur ihr „Ding“.


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Regel Nr. 1 oder Risiko?

Regel Nr.1 – Finde die Regel und alles wird gut!

Und so geht‘s: Deine Freundin kommt tierisch zu spät.

Regel Nr. 1: Komme nie wieder pünktlich.

Ich style mich zur Mündlichen und verhaue die Prüfung.

Regel Nr. 1: Style dich nie zu einer Prüfung! Das verhindert das Durchfallen nicht, dafür kannst du die Kleider hinterher ohne Schamgefühle tragen.

Und…

du grüßt den Nachbarn und er grüßt nicht zurück.

Regel Nr. 1: Grüße niemals Nachbarn.

Tia, was soll ich sagen. Es hat nicht geklappt. Unangenehme Situationen lassen sich nicht vermeiden, denn…

was ist das für ein Leben, wenn man nie wieder den Nachbarn grüßt, nie wieder Workshops gibt, nie wieder liebt, nie wieder die beste Freundin sieht? – Ziemlich mies.

Versuch Nr. 2 – Jahre später, mitten in der Nacht, ich kann nicht schlafen. Da ist es doch ein Glück, dass Brené Brown mit ihrem Buch: „Laufen lernt man nur durch Hinfallen“ mir Gesellschaft leistet. Ich muss gestehen, die Regel Nr.1 habe ich nicht gefunden. Und damit nicht genug: sie schreibt vom „gut-genug-sein“ und erklärt ausführlich, warum Perfektionismus uns nicht weiterbringt (die entsprechenden Blogtexte habe ich verlinkt). Aber vor allem schreibt sie, dass ein lebenswertes Leben darin besteht, dass man etwas riskiert.

Aktienhandel ist damit nicht gemeint. Es geht um das Risiko in der Art: Du gestehst deine Liebe und weiß nicht, ob sie erwidert wird. Du zeigst dein Kunstwerk und weißt nicht, ob es gefällt. Dummerweise sind risikobehaftete Dinge die Dinge, die uns am Herzen liegen. Und es sind die Dinge, die richtig wehtun, wenn es daneben geht

Das heißt, wenn ich nie wieder liebe, nie wieder meine Bilder zeige, nie wieder Fremde grüße, dann verzichte ich auf die besonderen Momente im Leben. Ich verzichte auf das, was mich begeistert und glücklich macht. Die Komponenten „mir-wichtig“ und „sehr- verletzlich“ gehören leider zusammen.

Das Regel-Nr.-1-Fieber versucht die Scham zu vermeiden und spült die Lebensfreude gleich mit in den Gulli. Das Leben lässt sich nicht selektiv leben. Es ist ein Ganzes, und unangenehme Teile lassen sich nicht verbannen. Will ich „aus vollem Herzen“ leben, dann bleibt im Falle eines Scheiterns nur der schmerzhafte Weg durch die Krise. Unterstützung ist da angebracht und sogar gewünscht.

Wenn du also mitten in „Das will ich nie wieder erleben!“ steckst, wenn du auf Rache sinnst, wenn du dich in deinen Selbstvorwürfen selbst übertriffst und die Niederträchtigkeit der Welt gerade bewiesen ist, dann (ich weiß, es ist schwer) begegne all dem mit Neugier. Haue den Keil eines Fragezeichens zwischen die Wirklichkeit und deine Überzeugung. Trete innerlich einen Schritt zurück und frage dich:

Schau an, was mache ich aus diesem Erlebnis?

-Ich winde mich wie ein Aal vor Scham. Ich bin so selbstbewusst in die Prüfung gegangen. Ich weiß, ich war kaum vorbereitet. Ich dachte, das mach ich mit links!

Welche Überzeugung ist gerade in Stücke zersprungen?

-Kleider machen Leute. Ich trete souverän auf, labere ein bisschen und dann habe ich die gute Note in der Tasche.

Und wo ist das Delta, der Unterschied, wie die Welt ist und wie ich sie beurteile?

In diesem Fall lag das Delta zwischen meiner Selbsteinschätzung und meinem Können. Rückwirkend würde ich sagen, mir fehlte der Respekt vor der Aufgabe.

Wir können von Glück reden, wenn die Lehren, die wir aus solchen Erlebnissen ziehen, nicht zu haarstäubend sind. Wenn sie uns näher an die Wirklichkeit und an eine gesunde Selbsteinschätzung bringen. Denn dann macht uns ein solches Erlebnis reifer und bereitet uns auf die nächste risikobehaftete Herausforderung des Lebens vor. Genau hinzuschauen, es lohnt sich!


Ein Kommentar

Die Perfektionisten-Falle

-Oh, Mist, das Layout sitzt nicht richtig. Und die Formulierung ist so ungeschliffen.

Aber schon 100x geprüft, 200x gegengelesen.

-200x nicht, aber…

-Genau, warum bist du noch nicht im Bett? Warum bist du noch nicht zu Hause?

Die Nachbarbüros sind dunkel. Der Bewegungsmelder im Flur reagiert schon lange nicht mehr. Fleißigste Mitarbeiterin, du! Du starrst auf dem Bildschirm. Die Zahlen verschwimmen. Aber die Vorstellung, dass du morgen, vor allen…

-Ok, ich gehe es nochmal durch.

Ein Fehler… unvorstellbar…

22:43 Uhr

-Soll ich das doch nochmal umschreiben? Es klingt so unprofessionell!

STOP!

Zu extrem das Beispiel? Nie eine ähnliche Erfahrung gemacht, nie gedacht: Hätte ich das bloß nicht geändert? Stunden mit einer Sache zugebracht, die eigentlich schon fertig war. Die, wenn man es einmal ohne Perfektionismus betrachtet, gut genug war?

Damit bist du nicht allein. Die Idee, dass uns Perfektion vor Kritik und anderen schmerzhaften Erfahrungen schützt, ist weit verbreitet. Nicht selten wird diese Annahme von Arbeitgebern und Eltern unterstützt. Sätze wie: „Was sollen nur die andern denken?“ sollen zu Höchstleistungen motivieren, aber in Wirklichkeit lähmen sie. Perfektion hilft nicht, sie frisst das Selbstbewusstsein, die Freizeit und den Schlaf.

Lass die Perfektion nicht der Feind des Getanen sein!

Brené Brown bringt Perfektionismus mit einem übermäßigen Schamgefühl in Verbindung. Perfektionismus ist der schwere Schild, der uns vor dem schlimmsten aller Gefühle, der Scham, schützen soll. Wenn sie zuschlägt, dann stecken wir im Loch der schwärzesten Überzeugung, dass wir jedes Recht verwirkt haben, dazuzugehören. Vor uns selbst und anderen haben wir jede Achtung verloren. Und als soziale Wesen, die wir nun einmal sind, lernen wir schnell, das um jeden Preis zu vermeiden. Perfektion scheint da eine gute Strategie. Wenn ich alles richtig mache, werde ich geliebt, vermeide Kritik, werde geschätzt. Aber wehe, wenn dem nicht so ist!

Perfektion ist eine Lüge, es gibt sie nicht. Es ist unmöglich perfekt zu sein, es ist unmöglich alles unter Kontrolle zu haben.

Stattdessen wendet sie sich früher oder später gegen uns selbst. Sie ruiniert unsere Gesundheit und ganz sicher den Schlaf. Eine Zeitlang hilft sie, die Leistung zu steigern, bis sie in das Gegenteil umschlägt. Wir verpatzen den Termin. Unausgeschlafen und mit einem zu Tode korrigierten Entwurf, da muss der Chef doch wirklich mal sagen:

-So nicht, Frau Landwehr!

Es ist Zeit, der Perfektion und nicht dir selbst den Kampf anzusagen. Es ist Zeit, die bewegliche Messlatte herunterzureißen, die immer, wenn du ihr nahe kommst, sich ein bisschen nach oben verschiebt. Es ist Zeit, dir selbst zu sagen, dass du so, wie du bist, gut genug bist.

Eine kleine Übung gefällig? (Die man natürlich perfekt ausführen könnte!)

Schreibe jeden Morgen fünf Dinge auf, die du gestern getan hast, die „gut genug“ waren.

Warum?

Weil du gut genug bist!


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Überlasse den Humor nicht den Komikern

Wann hast du das letzte Mal über dich selbst gelacht? Vergiss nicht, neben Computerkenntnissen und technischem Know-How auch deinen Humor zu schulen.

Humor schafft Verbindung. Er ist die weise Antwort auf das Paradoxe im Leben. Er ist oft die einzige Antwort auf den unerträglichen Schicksalsschlag. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Über all das, was nicht sein darf, aber trotzdem ist. Schon mal versucht einen Witz zu erzeugen? Versuch es einmal! Man baut eine logische Kette auf und verschiebt das Ende ein klein wenig ins Absurde. Die Absurdität, das Unerwartete erzeugt eine Spannung, die sich im Gelächter auflöst.

Humor ist jederzeit möglich. Auch in der Trauer, wenn Mutter und Sohn um den Vater weinen und sie ihn fragt: Erinnerst du dich an Papa? und der Halbstarke antwortet: „Oh ja, er steht ganz lebendig vor meinem inneren Auge und schreit: Jetzt räum´ endlich deinen Scheiß weg, du Hurensohn!“

Mit Humor können wir Fehler sehen als das, was sie sind – menschlich! Nur ohne Humor kann man glauben, dass Perfektion möglich ist. Das Leben lehrt uns die Menschlichkeit, indem es uns daran scheitern lässt, die vollständige Kontrolle zu erlangen. Das lässt sich mit Humor viel leichter ertragen als ohne.

Humorvoll bin ich, wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme. Und humorvoll kann ich nur sein, wenn ich an meinen Wert glaube. Humor verändert den Blick. Er lässt einen aus der Situation treten und von außen schauen. Einmal vor Jahre, ich jobbe bei einer Reitveranstaltung und bewache eine überdachte Tribüne – ZUTRITT nur gegen AUFPREIS! Es regnet, der Ticketschalter ist Kilometer weit entfernt und eine Gruppe von jungen Leuten klettert kurzerhand über die Abgrenzung. Empört schreie ich auf und renne die hinter Reihe entlang. Doch die Tribüne besteht aus zwei Teilen, und am Stoß verläuft auf Knöchelhöhe eine Strebe. Die sehe ich natürlich nicht, da ich das Jungvolk wütend, zeternd und mit den Armen fuchtelnd im Blick habe. Mein Fuß trifft die Strebe und ich verschwinde der Länge nach zwischen den Bänken. Ich sehe mich selbst wie in Zeitlupe. Die Bretterbohlen vor der Nase, eingeklemmt zwischen zwei Sitzreihen muss ich so lachen, dass ich kaum hoch kommen. Lachend und um Ernst ringend bugsiere ich die Männer und Frauen hinaus. Sie taxieren mich mit unsicherem Blick und geben sich die größte Mühe, ihr Grinsen zu verbergen.

Humor braucht Mut und innere Selbstsicherheit. Der Blick von außen ist oft mit Angst besetzt. Er kann verletzen. Das Menschliche, unfreiwillig ans Licht gezerrt, ist beschämend. Der Spott als Humor getarnt, ist ein Ablenkungsmanöver nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung!“ Spott zeugt weder von Selbstbewusstsein noch von Menschlichkeit. Er verschleiert die Angst, selbst bloßgestellt zu werden. Während Humor über das Menschliche in uns allen lacht, stellt Spott den anderen alleine nackt auf die Bühne.

Der Unsichere ist humorlos. Bier-ernst und schein-heilig versucht er das Menschliche, das Paradoxe, das Schäbige zu leugnen. Er tut so, als wäre Perfektion möglich, als wäre Makellosigkeit erreichbar. Er tut so, als wäre das hier zu heilig, als dass es etwas zu lachen gäbe. Aber wir sind keine Götter. Und … warum fällt es Gott so viel leichter zu lachen? Wie macht er das? Er ist verbunden und distanziert. Er stellt nichts zwischen sich und die Menschen und sieht die Welt von außen – und  lacht!

siehe auch:

GFK und Humor – Workshop an den Hamburger GFK-Tagen am 23. März 19


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Die Seele verhakt

Das Ding da in dir, ist nicht mehr tragbar- eine Eigenschaft, ein Gefühl. Es ist zu schwer, zu scharfkantig, zu unschön. Es liegt im Boot – der Psyche – und ist ist äußerst hässlich, es muss raus! Wie einen Anker hievst du diesen Teil von dir über Bord. So, jetzt bist du dieses widerwärtige Ding (namens Wut, Verträumtheit oder Größenphantasien) los. Aufatmen. Erfolgreich dissoziiert. Das Boot nimmt an Fahrt auf, der Anker gleitet ins Wasser. Die Leine rollt sich unbemerkt ab. Rollt ab, rollt ab. Der Anker verhakt sich. Ein kleiner Ruck, die Leine geht auf Spannung, die Fahrt bremst. Manchmal erst nach Jahren. Scheinbar frei von persönlichen Problemen verlangsamt sich die Lebensfahrt. Boot und Strömung zerren an der Leine, sie dehnt sich, überdehnt sich, sie schmerzt. Die Entwicklung stoppt. Angst vor den Schmerzen kommt dazu. Bloß nicht weiterfahren, das tut zu sehr weh! Das Boot steht in der Strömung. Glücklich der, dem bewusst wird, dass das nicht das Ziel des Lebens ist. Doch je stärker der Wunsch weiterzukommen, umso mehr zerrt das Boot an der Leine. Unter Schmerzen versucht die Leine nachzugeben, bis sie fast zu reißen droht. Doch was am anderen Ende hängt, gehört zu dir.

So geht es nicht weiter.

Doch wie weiterkommen? Der Weg geht zurück. Erst mal hart gegen die Strömung rudern. Die Spannung der Leine lösen. Reicht das nicht, um den Anker einzuholen, muss man tauchen gehen. Luftschnappen, tauchen, Anker ausgraben. Wenn man ihn findet. Manch einer hat sich tief in den Sand gegraben, ist nicht mehr zu sehen. Die Leine weist den Weg. Sie sagt, folge dem Schmerz, dann findest du den Anker, den Haken in deiner Seele, das Gewicht, das du meintest, nicht mitnehmen zu können.

Hol es raus, es gehört zu dir.


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Westliches Selbstbewusstsein – weiter so!?

Selbstbewusstsein ist ein evolutionärer Vorteil des Menschen. Das kann man bei dem Neurologen Antonio Damasio in „Selbst ist der Mensch“ lesen. Man schaue nur, in welchen Gegenden Mensch überleben kann. Dabei ist Mensch noch nicht einmal mehr auf jahrhundertealtes Wissen von Eskimos und Beduinen angewiesen. Dank moderner Technik können wir Schwimmbäder und Obstplantagen in Wüsten bauen und Forschungsstationen auf dem Mond und der Antarktis unterhalten.

Um das umzusetzen, braucht es eine gehörige Prise Selbstbewusstsein.

Doch wenn wir uns nur für europäische Ziele interessieren, dann kommen die Probleme aus Afrika und dem Nahen Osten eben zu uns. Wenn wir uns nur um unsere Bedürfnisse kümmern und die von Tieren und Pflanzen ignorieren, dann entziehen wir uns selbst langsam aber sicher die Lebensgrundlage.

Ach, so schlimm ist es nun auch wieder nicht! – Wirklich nicht?

Neulich bei einem Spaziergang in der alten Heimat. Mit Freude lausche ich im Wald den zahlreichen Vögeln. Auch komme ich durch Waldflächen, die erfreulich unaufgeräumt und wild aussehen. Bäume in Reih und Glied, die man leicht mit einem Maisfeld verwechseln könnte, gibt es natürlich auch, aber ich werde bescheide, was meine Ansprüche an die deutsche Natur angeht. Die Sonne scheint durch die noch kahlen Zweige und ich wähle einen Weg über die Felder zurück. Mit jedem Schritt, mit dem ich mich vom Waldrand entferne, wird es stiller. Rechts breitet sich ein noch braunes Rapsfeld aus, links säumt Buschwerk den Wegrand. Wo sind die Vögel? Ich suche das Gestrüpp ab, kann aber keine finden. Es ist unheimlich still. Ich frage einen alten befreundeten Bauern? Der zuckt resigniert mit den Schultern. Neue Pestizide: „Die sind so effektiv, die machen alles kaputt!“ Tausendfüßler, Spinnen oder Fliegen, kein Insekt entkommt der chemischen Keule. Und die Vögel müssen sich woanders ihre Nahrung suchen. Ich bin fassungslos! Da haben wir Menschen wieder mal selbstbewusst unserem Feind, den Schädlingen von Weizen und Mais, den Kampf angesagt, und ohne mit der Wimper zu zucken, zahlreichen anderen Arten den Lebensraum entzogen. Die totale Vernichtung ist erlaubt.

Aber mal ehrlich! Müssten wir mit unserem Bewusstsein, mit unserem Wissen über ökologische Zusammenhänge nicht weiter sein? Anscheinend nicht, wie traurig!