Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen


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Umgang mit Ärger in der Meditation

Wut genießt in spirituellen Kreisen mitunter keine Beliebtheit. Manchmal wird ihr sogar die Echtheit eines authentischen Gefühls abgesprochen.

Richtig ist, dass Wut (die auf Handlung im außen orientiert ist) es einem unglaublich schwer macht, die Konzentration nach innen zu lenken. Auch dass Wut destruktive Formen annehmen kann, lässt sich nicht leugnen. Doch um unsere Lebendigkeit und Handlungsfähigkeit zu erhalten und um Klarheit in unser soziales Leben zu bringen, halte ich es für sinnvoll, einen anderen Weg mit diesem Gefühl zu suchen, statt es „weg zu meditieren“. (Siehe auch: „Wann ist Wut gut?“)

Wollen wir meditieren, obwohl wir wütend sind, kann die GFK weiterhelfen. Marshall Rosenberg glaubt genau wie Amana Virani, dass Wut aus Urteilen entsteht, und bezeichnet sie deshalb als Sekundärgefühl. Für ihn gibt es zwei Sekundärgefühle, nämlich Scham und Wut (im Gegensatz zu Virani, die sie „reine Gefühle“ nennt und Freude, Angst und Trauer ebenfalls auf Urteile zurückführt).

Geht man bei nicht enden wollender Wut durch den GFK-Prozess (Wolfsshow; weitere Gefühle benennen, die hinter der Wut stehen; Bedürfnisse suchen, die unerfüllt sind), dann wird man mit dem Benennen der Bedürfnisse eine Erleichterung wahrnehmen können, die es erlaubt, in eine meditative Haltung zu gelangen.

Beispiel: Mit GFK zur inneren Ruhe

Wenn ich versuche zu meditieren, ich aber noch wütend bin, weil meine Mitbewohnerin mir bewiesen hat, dass ich von ihrem Öl genommen habe, und ich das falsch finde, weil sie auch von meinem Kaffee nimmt, dann kann ich mich endlos in Gedanken aufreiben, dass ich das unfair finde und sie eine dumme, kleinkarierte Kuh ist. Erkenne ich aber, dass für mich der Austausch von Lebensmitteln eine soziale Komponente hat und dass ich mir Verbindung wünsche, dann kann ich in dem Wunsch nach Verbindung inneren Frieden finden (und im Anschluss in ein konstruktives Gespräch gehen). Die Intensität der Wut ist dann Ausdruck der Bedeutung, die dieses Bedürfnis für mich hat. Ich nehme einfach diesen Wert an sich und seine Bedeutung für mich wahr. Im Benennen von Gefühlen und Bedürfnissen begegne ich mir selbst mitfühlend, was sowohl zur GFK als auch zur meditativen Haltung gehört.

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Wann ist Wut gut?

Nach Amana Virani entsteht Wut in Situationen, die wir als „falsch“ beurteilen. Durch das Urteil positionieren wir uns und durch die Wut entwickeln wir die Energie, die wir benötigen, um daran etwas zu ändern. Wut ist dann das passende Gefühl, wenn wir etwas nicht akzeptieren und etwas ändern können. Die Aufgabe, die hinter der Wut steht, ist also zu handeln. Jetzt und resolut!

Wut ist dann gut, wenn die Situation wirklich von mir veränderbar ist. Kann ich nichts ändern, wird sie meistens destruktiv, mir selbst oder anderen gegenüber. (Wenn ich sage, Wut ist gut, dann spreche ich von dem Gefühl und schließe Handlungen wie Schlagen oder Beschimpfen aus).

Nun kommt es vor, dass bestimmte Gefühle wie Wut in manchen Familien nicht toleriert werden. Wenn das der Fall ist, erzeugen wir andere Gefühle, die etwas akzeptierter sind, aber leider falsche Energien erzeugen.

Hier ein Beispiel für verschobene Wut, die in unpassende Traurigkeit geändert wurde:

Wenn ich in meiner Herkunftsfamilie gelernt habe, dass ich ignoriert werde, wenn ich wütend bin, kann es sein, dass ich alternativ traurig (oder ängstlich oder freudig…) werde, einfach, weil das ein Gefühl ist, das mir Zuwendung sichert. Zudem kann ich mit Traurigkeit etwas Einfluss auf die Situation nehmen, indem ich meine Mitmenschen dazu bringe, aus Mitleid etwas zu ändern. Das Tragische daran ist, dass mir in der Folge die Kraft hinter der Wut, nämlich Klarheit, nicht zur Verfügung steht. Bei richtig eingesetzter Wut weiß hinterher jeder, woran er/sie ist. Bin ich stattdessen traurig, weiß niemand, woran er ist, ich am allerwenigsten. Die Situation bleibt unklar und die Beteiligten erleben den Gefühlsausdruck als unpassend oder manipulierend.


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Über den Sinn der Wolfsshow – (in der GFK)

Rumwolfen – Teil 1

Der sprichwörtliche Wolf (in uns) hat seinen Auftritt im GFK-Prozess in der Wolfsshow. Beim Rumwolfen geht es darum sich seine Gedanken und Urteile (wieder) bewusst zu machen. Und das in dem Bewusstsein, dass diese Wolfshow nicht die Wahrheit ist.

Rumwolfen heißt, mal so richtig vom Leder zu ziehen. Beispiel: „Der Idiot, weiß der sich nicht zu benehmen. Kein Respekt. Der müsste mal einen GFK-Kurs besuchen.“ Rumwolfen dauert meistens viel länger und kann sich auch gegen sich selbst richten: „Ich lass‘ mir auch alles gefallen. Dem hätte ich mal richtig die Meinung sagen sollen. Immer bin ich die Dumme!“

Manche Menschen sind so gut erzogen, dass sie laut keine Verurteilungen über andere (oder sich) äußern können oder wollen. Die Gefahr ist, dass die Urteile ins Unbewusste abrutschen. Dann nimmt man die Urteile bestenfalls noch körperlich war, z.B. als Bauchschmerz oder dumpfes Unwohlsein. Analysieren ist da salonfähiger, es erscheint so verständnisvoll. „Das ist einfach ein Scheidungskind. Man sieht ja, was dabei rauskommt, wenn jemand den ganzen Tag alleine ist. Man muss halt Nachsicht haben mit den Jugendlichen (Ausländern, Alleinerziehenden etc.).“

Analysieren gehört zum Rumwolfen, da es eine Form des Urteilens ist. Das Urteil „Scheidungskind“ wird in eine Theorie gepackt und mit mehr oder minder offensichtlichen Beweisen belegt. Der Effekt auf die Menschen, die analysiert werden, ist dem des Verurteilens sehr ähnlich. Wie unangenehm das ist, merkt man selten, wenn man es macht, und ganz schnell, wenn es einem passiert.

Warum ist Rumwolfen gut? Es bringt uns in Kontakt mit dem, was verändert werden muss, und liefert gleich die notwendige Energie mit. Wut ist damit eine treibende Kraft für Veränderungen, denen viele Menschen ängstlich begegnen. Auf das Rumwolfen zu verzichten, kann heißen, das, was mich antreibt, nicht zu erkennen. Dabei bleibt nicht nur verborgen, was mir wichtig ist, sondern auch, wie wichtig mir es ist. Das werde ich erst spüren, wenn die Wut im Bauch Platz bekommt.

Die destruktiven Effekte der Wut und des Rumwolfens sollen damit nicht unter den Tisch gekehrt werden. Hier ein paar Tipps zum Rumwolfen. Mache das nie vor der Person, die der Auslöser deiner Wut war/ist. Rumwolfen kann man gut auf dem Klo, im Wald, im Auto (und bitte auf Radfahrer achten)  oder vor unbeteiligten Freunden. Um destruktives Verhalten zu vermeiden, empfehle ich anschließend die vier Schritte der GFK als Vorbereitung auf den Konflikt.


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Die Wolfsshow – Was ist das?

Die Wolfsshow geht den 4 Schritten der GFK voran. Im Grunde ist sie ein gedankliches, verbales oder schriftliches Abreagieren auf einen Vorfall, der einen emotional mitnimmt. Ausgesprochen (oder aufgeschrieben) wird alles, was einem in den Kopf kommt; Verurteilungen, Verwünschungen, Beschuldigungen, Gefühle, Bedürfnisse etc., alles, was da ist. Wobei der Schwerpunkt auf den Urteilen gegenüber der auslösenden Person und / oder sich selbst gegenüber liegt.

Marshall Rosenberg sagt dazu: „Lean back and enjoy the Jakalshow!“ Man muss dazusagen, das ist die hohe Schule in der GFK. Ich kann bis zum heutigen Tage die Wolfsshow weder genießen (es sei denn, ich mache sie stellvertretend für andere) noch mich innerlich zurücklehnen und sie von einer distanzierten Warte aus ansehen. Schon gar nicht gleich nach dem auslösenden Ereignis. Mich zieht es meistens voll rein und es ist gut, mir zu sagen: „Das ist nicht die ganze Wahrheit. Nur ein Teil davon und selbst der ist noch zu überprüfen.“

Erst wenn die Anfangswut verraucht ist, geht es darum, eine neutrale Beobachtung (Schritt 1 der GFK) zu formulieren.

Siehe auch „Über den Sinn der Wolfsshow


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Der Wolf als Symbol in der GFK

Der Wolf wurde von Marshall Rosenberg als Symbol für verurteilende, gewaltvolle Sprache eingeführt, um die Unterschiede zur verbindungschaffenden Sprache der GFK (Symbol Giraffe) spielerisch deutlich zu machen. Der Wolf steht für das Trennende, Verletzende, Analysierende, Be- und Verurteilende in unserer Sprache. Dies tun wir nicht aus böser Absicht, sondern aus Unkenntnis der Wirkung und aus Gewohnheit. Es ist auch das, was in unserem Kopf ganz automatisch passiert, wenn wir der Ansicht sind, das ist falsch! Man könnte es auch Gedankenmühle nennen.

(Siehe auch Über den Sinn der Wolfsshow)