Tiefenkontakt

fühlend verstehen wollen


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Verfolgt Gott eine Absicht? (Buddhismus meets persönlichen Gott)

Gestern hatte ich die Gelegenheit, die Zen-Geschichte vom „leeren Boot“ aus eigener Erfahrung besser zu verstehen. Der Anlass war, ich bin mit einem anderen Radfahrer in voller Fahrt zusammengestoßen.

Es war früh morgens, zu früh für mich, und ich bin, müde, wie ich war, auf die falsche Seite des Radweges gekommen. Als ein Radfahrer vor mir warnend aufschrie, bevor er fast frontal mit mir zusammenstieß. Ich fand mich mit heftig schmerzenden Knochen auf dem Boden wieder. Die Bestandsaufnahme ergab: Er war heile. Ich hatte mehrere Prellungen, einen Totalschaden am Fahrrad und einen ziemlichen Schock. Die Schmerzen am linken Bein wirkten noch nach, als ich mich zu Hause zum Meditieren setzte, um wieder zu mir zu kommen.

Zu meiner derzeitigen Meditationspraxis gehört, dass ich mir vorstelle vor Gott zu sitzen. Dabei kommt es vor, dass ich ihm Fragen stelle und auch Antworten erhalte. Und die Frage, die sofort in mir auftauchte war: „Wo warst du?“ Mein spirituell geübter Verstand hat gleich erkannt, dass das eine eher egoistische Frage war, und ich korrigierte sie gleich in „oder hast du Schlimmeres abgewendet?“ Da fiel mir die Zen-Geschichte ein.

Stell dir vor, du sitzt alleine in deinem Boot und steuerst durch Nebelschwaden, als plötzlich vor dir ein anderes Boot auftaucht, was direkt auf dich zusteuert. Du fängst an zu schreien: „Hey da, passen Sie auf, Sie werden mich rammen!“ Aber das Boot behält seinen Kurs auf dich bei. All dein Schreien bewegt nichts und es kracht in deine Seitenwand. Du rappelst dich auf, um dir den Steuermann vorzunehmen, und als du über die Bordwand schaust, stellst du fest, das Boot ist leer. Erstaunen: „Keiner da!“, und dein Zorn verraucht.

Es fiel mir leicht, bei meinem Zusammenstoß dem jungen Radfahrer keine Absicht zu unterstellen, deshalb hielt sich meine Wut in Grenzen. Aber da saß ich und unterstellte Gott eine Absicht. Ich dachte: „Wenn es passiert ist, muss er es gewollt haben!“ Aber, und hier half mir die Geschichte, er will es nicht. Gottes Absicht ist leer. Es passiert. Und ich kann es genauso betrachten, wie Gott es geschehen lässt, mit Erstaunen. Diese Erkenntnis gab mir inneren Frieden. Kein Grübeln mehr: „Ach, hätte ich doch…“ oder „Warum nur?“ Es ist passiert.

ENDE

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Gehirnforschung trifft Buddhistische Weisheit – „Das Ego ist eine Illusion“

Ohne die Meditation oder den Buddhismus im Blick zu haben, beschreibt A. Damasio in seinem Buch „Descartes‘ Irrtum“, wie die Meditation unsere Ich-Strukturen verändert. Bei seinen Forschungsarbeiten stößt er auf zwei unterschiedliche Bereiche im Gehirn. Der eine Bereich informiert uns permanent über unseren Körperzustand (oder Gefühlszustand). Und diese Information wird ständig aktualisiert. Wichtige Informationen bzw. Änderungen werden in einen anderen Bereich weitergeleitet und gespeichert. (Kategorien können sein: So habe ich mich gestern, vorgestern und vorvorgestern auf der Arbeit gefühlt. So ist es mir bei meinem mündlichen Abitur ergangen).

Der Bereich „So fühle ich mich jetzt“ und der Bereich „Erinnerung an alte Gefühle und Situationen“ gehören zu unterschiedlichen Hirnarealen mit unterschiedlichen Schaltkreisen und Aufgaben.

In der Meditation konzentrieren wir uns voll auf den Bereich: „So fühle ich mich jetzt“. Wenn es gelingt, mit 100%iger Aufmerksamkeit im Jetzt zu sein, gibt es keine Erinnerung (ein Phänomen, welches viele aus der Meditation beschreiben).

Um ein Gefühl von „Ich“ zu konstruieren, braucht unser Gehirn die Erinnerung, um sie mit vorherigen Erinnerungen abzugleichen und zu dem Schluss zu kommen: „Ah, das ist typisch für mich.“ Oder: „Das kenne ich nicht von mir“ und nach einem Grund zu suchen. Bin ich wiederum mit 100% Aufmerksamkeit im Jetzt, gibt es somit kein „Ich“. Sowohl der Zugriff auf die passende Gehirnregion fehlt, als auch der Zustrom von neuen Informationen, die das Gehirn zu „Ich“ machen könnte. Damit erklärt die Gehirnforschung, was der Buddhismus seit langem sagt: mit der Meditation überwinde ich das „Ich“ und es entsteht die sogenannte „Leere“. Leere heißt, keine weitere Konstruktion von dem, was wir „Ich“ nennen, es gibt nur JETZT.