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Prokrastination (Aufschieberitis) oder wie geht’s weiter?

(für Selbstmotivierende ohne Auftraggeber oder Chefin)

Prokrastination ist doch ein tolles Wort. Es hört sich an, als würde man etwas wirklich Wichtiges tun. Doch im Grunde heißt es, dass man nicht das tut, was man tun will. Manche nennen es „Aufschieberitis“.

Die sanfte Variante – nach dem Urlaub wieder arbeiten

Uhh, dass klappt nur sehr durchwachsen. Aber ich weiß, dass es ab dem zweiten Tag besser wird. Den größten Fehler, den ich also begehen kann, ist zu denken, ich könnte den ersten Durchhängertag überspringen. Das macht mich nur noch unzufriedener, als wenn ich einfach planlos versuchen würde, einen Zugang zur Arbeit zu finden.

Manche Arten des Aufschiebens haben also mehr mit dem eigenen Arbeitsrhythmus zu tun. Diesen zu kennen und zu akzeptieren, macht mir das Leben leichter.

Doch wenn man lange genug wartet, wird das Problem des Aufschiebens existenziell. Menschen, die seit Monaten manchmal Jahren sich nicht an ihre Abschlussarbeit setzen, können ein Lied davon singen. Der Druck steigt mit jedem Tag. Da braucht es oft mehr Hilfe als einen Text zum Thema „Prokrastination“. Die Frage, die es rechtzeitig zu beantworten gilt, ist, kann ich besser mit Druck oder ohne Druck arbeiten? Ich habe lange gedacht, dass ich entspannt am besten arbeite, aber die Erfahrung zeigt etwas anderes. Die wissenschaftliche Bestätigung fand ich in einem Artikel (Autor habe ich leider vergessen): Druck wirkt sich positiv auf die Konzentration aus. Die größtmögliche Konzentrationsfähigkeit liegt zwischen Entspannung und Anspannung. Es braucht von beidem etwas. Fehlt ein Aspekt, nimmt die Konzentration ab. Wer das überprüfen möchte, der lese mal einen anspruchsvollen Text, wenn er sonntags vormittags noch tiefenentspannt im Bett liegt. Ich versuche es gar nicht erst, weil ich weiß, dass mein Gehirn die Zusammenarbeit verweigern würde.

Wenn ich aufschiebe, dann tue ich nicht nichts, sondern ich tue andere Dinge, die sehr sinnvoll sind. Ersatzhandlungen sind bei mir klassischerweise Putzen, Aufräumen oder mich um die Werbung meiner Kurse kümmern. Wenn man bedenkt, wie ungern ich diesen Tätigkeiten nachgehe, ist das doch das reinste Motivationswunder! Und mal ehrlich, an einem aufgeräumten Arbeitsplatz arbeitet es sich wirklich besser!

Doch warum ist es besser seinen Prokrastinationsimpulsen zu folgen? Weil „tun“ weniger Kraft braucht als „entscheiden“. Marc Gassert schreibt in seinem Buch „Alles ist schwer, bis es leicht ist!“, dass uns vor allem Entscheidungen Willenskraft kosten. Entscheidungen wie: Fange ich hiermit an oder damit? Ist diese Aufgabe wichtiger oder jene? Wozu brauche ich länger? Was ist wichtiger? Wäre es nicht sinnvoll, XY vorher zu erledigen? Das sind alles Fragen, die sehr oft gar nicht zu beantworten sind! Doch unser Geist beschäftigt sich damit und verbraucht Willenskraft. Deshalb hilft „anfangen“. Es einfach tun, ist leichter als entscheiden, was als nächstes zu tun ist. Gerade wenn man viel zu tun hat, ist das Schädlichste, was man mit seiner knappen Zeit machen kann, Entscheidungen treffen zu wollen.

Doch wie kriegt man jetzt die Kurve zur eigentlichen Aufgabe? Ich nehme mir hier gerne kleine Ziele vor! Sie sollten so klein sein, dass sie gerade etwas mehr als nichts-machen sind (die Zielvorgabe erhöhen kann man immer noch!). In meinem Fall ist das: „Ich lese den Text einmal durch und überarbeite, was mir nicht gefällt“. Ist die Datei erst geöffnet, dann fällt es meinem Geist leichter, sich weiter für das Thema zu interessieren.

Heute habe ich auch schon prokrastiniert, sozusagen als Vorbereitung für diesen Blog. Ich habe schon meine GFK-Vereinsunterlagen geordnet (das will ich seit Mai machen), ein unangenehmes Telefonat geführt und meinen Küchenfußboden gewischt. Das sind alles Dinge, die sonst nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen. Aber sie waren erstaunlich schnell erledigt. Super!

Auf diese Art und Weise kriege ich am Tage einiges erledigt, was ich sonst vor mir herschiebe.

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