schreibend denken und fühlend verstehen wollen


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Selbstbewusstseins – ein Vorteil der Evolution?

Antonio Damasio schreibt in seinem Buch „Selbst ist der Mensch“, dass Bewusstsein nicht etwas ist, das erst mit der Menschheit aufgekommen ist. Unsere Einzigartigkeit beruht nicht auf Bewusstsein, sondern auf Selbst-Bewusstsein. Seine These ist, dass Selbstbewusstsein einen Überlebensvorteil darstellte, sonst hätten unsere Vorfahren nicht überlebt und das menschliche Gehirn wäre nie so groß geworden. Wenn ich mir anschaue, wie viele Menschen es mittlerweile auf der Erde gibt, dann würde ich sagen, er hat recht.

Wie kam es also dazu?

Auch für eine Pflanze ist es gut, wen sie sich selbst fühlen kann (Grundbedingung des Bewusstseins) und wenn sie damit auch spüren kann, was gut für sie ist (Bedürfnisse). Warum? Wie soll sie wissen, wohin sie wachsen soll, wenn sie nicht die Sonne auf ihren Blättern spüren könnte? Wie sollte sie sonst auf die Idee kommen, sich dorthin zu drehen? Doch alle Pflanzen wachsen in Richtung Sonne.

Sich selbst und seine Umwelt spüren zu können ist gut. Sie sehen, hören und vor allem sich darin bewegen können ist noch besser. So machen es die Tiere.

Ein Tier kann nicht nur die Außenwelt mit seinen Sinnen erkennen, es nimmt auch sein Innenleben deutlich differenzierter wahr als Pflanzen. So können Tiere Gefühle wie Aggression, Zuneigung oder Hunger unterscheiden und passend darauf eingehen. Diese Gefühle zeigen ihnen an, ob es jetzt angesagt ist, das Revier zu verteidigen, mit Artgenossen zu Schmusen oder Nahrung zu suchen. Tiere kennen ihre Umwelt und sich selbst deutlich besser als Pflanzen und sind damit bewusster. Deshalb haben sie mehr Möglichkeiten, wenn die Umweltbedingungen mal nicht so sind, wie sie sie brauchen.

Bei uns Menschen kommen erstmal alle vorherigen Komponenten des Bewusstseins zusammen.

  • Den eigenen Körper fühlen können
  • Eigene Gefühle erkennen und Aktionen daraus ableiten
  • Die Umwelt kennen und wissen, welchen Einfluss sie hat
  • Die eigenen Möglichkeiten kennen
  • Die besonders wichtigen Fähigkeiten an die Nachkommen weitergeben

Das sind alles Komponenten von Bewusstsein, doch bei uns Menschen kommt noch ein „Selbst“ dazu. Dieses Selbst, das wir auch „ich“ nennen, setzt alles, was passiert, mit sich selbst in Beziehung. Erkennt der sogenannte Selbstprozess keine Beziehung oder Bedeutung zwischen einem Ereignis und sich selbst, wird dieses sofort wieder vergessen. Dieses Selbst sagt: Meine Gefühle, meine Bedürfnisse, meine Umwelt, meine Möglichkeiten, meine Liebsten, meine Träume. Es stellt permanent zu allem einen Selbstbezug her, indem es fragt: „Was hat das mit mir und meinem Leben zu tun?“

Jetzt erlebt der eine oder die andere es nicht als Vorteil, alles auf sich selbst zu beziehen. Wenn alles, was mein Nachbar denkt, für mich Bedeutung hat, kann das anstrengend werden.

Um den Vorteil in Bezug auf das Selbst zu verdeutlichen, hier der Vergleich zu meiner Hündin Nita. Im Gegensatz zu Nita weiß ich heute noch, dass ich gestern beim Arzt war (sagen wir bei der Hautvorsorge) und dass der Arzt meine Leberflecken auffällig fand. Ich weiß, das kann Einfluss auf mein Leben haben. Ich kann mir verschiedene Zukunftsszenarien vorstellen, und eine relativ harmlos könnte sein, darauf zu achten, keinen Sonnenbrand mehr zu bekommen.

Meine Hündin weiß all das nicht. Was sich sicher auch positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt, aber eventuell nicht auf ihr Überleben. Im Bewusstsein eines Säugetieres gibt es nur die Gegenwart. Das heißt, Nita weiß nicht mehr, dass sie gestern beim Tierarzt war. Sie erkennt aber sofort, wenn wir jetzt zum Tierarzt gehen. Dann reagiert sie emotional und bekommt Angst. Sie hat aber überhaupt kein Bewusstsein darüber, was dieser Besuch für sie bedeutet (Selbstbezug). Sie bemerkt nur „unangenehm“ und folgert der inneren Programmierung „vermeiden!“ Beides läuft unter Umständen auch in mir ab, nur dass ich dem Ganzen zusätzlich eine Bedeutung gebe. Diese Bedeutung ist: „1. Ich mag Vorsorgetermine nicht. 2. Ich erkenne, dass sie für mich sinnvoll sind, da ich so viele Muttermale habe! 3. Es könnte sich positiv auf mein Überleben auswirken!“

Hier liegt der Vorteil des Selbst. Es schafft Bedeutung, noch bevor das Problem da ist. Das heißt, bevor ich mich krank fühle, tue ich etwas für meine Gesundheit. Ein wildes Tier wird erst dann etwas tun, wenn es krank ist. Dann könnte es anfangen, Heilkräuter zu fressen. Das setzt sich in allen Lebensbereichen fort. Zum Beispiel tue ich etwas für meine Ernährung, bevor ich Hunger habe (Geldverdienen, Einkaufen etc.).

Der Wunsch zu leben ist die mächtigste Motivation überhaupt. Sie übersteigt unseren Wunsch nach Wohlbefinden bei weitem. Das ist der Grund, warum sich die Biologie nicht für das Glücklichsein interessiert! Überleben ist wichtiger! Unter diesem Gesichtspunkt ist es extrem sinnvoll, über Probleme nachzudenken, bevor sie existieren. In Sachen Glücklichsein dagegen kann es sehr nachteilig sein, den größten Teil seiner Zeit über Probleme nachzudenken, die es nicht gibt. Das Ganze wird dadurch noch sinnloser, wenn man bedenkt, dass wir nur Zeit haben, über all die nicht-existierenden Probleme nachzudenken, weil unser Überleben gesichert ist! Hier beißt sich leider der menschliche Überlebensvorteil in den nicht-existenten Schwanz.

Für all die Menschen, die das Glück haben, keine Angst mehr vor dem Verhungern haben zu müssen, gilt, dass die eigentliche Herausforderung des Lebens darin besteht, über die biologische Programmierung des Selbstbezugs hinauszuwachsen.


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Der Mensch als Maschine

Wir sind so an Maschinen gewöhnt, dass wir zunehmend denken, wir würden genauso funktionieren. Tun wir nicht!

Aber schauen wir uns erst mal an, was wir über die Funktionsweise von Maschinen, d.h. von Geräte wissen?

Auffallend wenig oder sollte ich besser sagen, nichts?

Wer weiß, wie sein Handy funktioniert?

Der Eindruck entsteht, dass man auf den Bildschirm tippt und ein Zeichen entsteht. Wie dieses Zeichen da hinkommt, wissen wir nicht. Dieses einfache Auftauchen verleitet zu der Fehlannahme, dass es entweder keinen Prozess dazwischen gibt, und wenn doch, er keine Zeit braucht. Doch in der Natur brauchen Dinge Zeit. Ein Embryo braucht ca. 9 Monate um lebensfähig zu werden. Das menschliche Gehirn braucht 21 Jahre, um sich voll zu entwickeln. Käse lagert ein halbes Jahr. Wein reift mindestens ein ganzes Jahr. Und eine Grippe dauert (laut Volksmund, das Wissen stammt aus einer anderen Zeit) mindestens drei Tage.

Wie ist das heute mit dem Kranksein? Die meisten Menschen gehen mit dem Input-Output-Denken zum Arzt und sagen: „Gibt mir ein Mittel, das ich nehme und sofort wirkt.“ Dass das nicht funktioniert, wird heutzutage gerne auf Virenresistenz geschoben, doch unser Körper arbeitet nicht so. Der braucht ZEIT!

Das gilt nicht nur für den kranken Zustand. Um gesund zu bleiben, brauchen wir Pausen, Feierabend und Urlaub (ohne Erreichbarkeit). Doch all das wird von vielen Menschen (Angestellten, Selbstständigen und Vorgesetzten gleichermaßen) entweder als Luxus oder als Schwäche angesehen. Aber wir übersehen dabei, dass wir den Schlaf brauchen, damit Abfallprodukte aus unseren Muskeln abtransportiert werden können. Wir brauchen Schlaf, um den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Wir brauchen Schlaf, um die gelernten Vokabeln auch am nächsten Tag zu erinnern. Wir brauchen Schlaf, damit unser Immunsystem in Ruhe Krankheitserreger killen kann. Behandeln wir unseren Körper wie eine Maschine, die nach der Reparatur sofort wieder einsatzfähig ist, dann stellen wir schnell fest, dass der Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu einem ungeahnten Kraftakt wird. Im Vergleich dazu ist Arbeit am Schreibtisch schon fast erholsam. „Kein Fieber“ ist eben nicht gleich „gesund“!

Doch Regenerieren ist out! Wir gehen krank zur Arbeit und verletzt zum Sport. Im Winter drehen wir die Heizung hoch und laufen im T-Shirt durch die Wohnung. Nachts machen wir das Licht an und sitzen bis 3 Uhr vor dem Rechner. Am Wochenende arbeiten wir durch, und der Freizeitausgleich ist etwas für Weicheier.

Wundert sich noch irgendwer?

Tag- und Nachtrhythmus berücksichtigen heißt, zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Im Winter sind wir zurückgezogen, im Sommer unternehmungslustig. Nach einer harten Arbeitswoche braucht es ein entspanntes Wochenende und nach einem Tag am Schreibtisch Bewegung.

Einatmen-Ausatmen, Zeit haben.

Viktor von Weizsäcker (Begründer der psychosomatischen Medizin) spricht für unseren Körper, wenn er sagt: „Gesundheit ist eben nicht ein Kapital, das man aufzehren kann, sondern sie ist überhaupt nur dort vorhanden, wo sie in jedem Augenblick des Lebens erzeugt wird. Wird sie nicht erzeugt, dann ist der Mensch bereits krank.“

Die Tiefenentspannung nach Milton Erickson (Hypnotherapeut) ruft diese Rhythmen wieder ins Bewusstsein. Sie sorgt für Entspannung, die uns in unserem Leben allzu oft fehlt. Entspannen heißt, den Körper in Ruhe seine Arbeit machen lassen.

Das kann sehr erholsam sein!

Wer das mal ausprobieren möchte, findet hier eine Anleitung zur Tiefenentspannung: Ebbe und Flut von Tiefenkontakt).


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Wie funktioniert Fühlen? (am Beispiel von Rückenschmerzen)

Unser Gehirn ist ständig auf der Suche nach Gefühlszuständen, die sich in unserem Körper abbilden, um darauf zu reagieren. Diesen Prozess (Körperscann – Gefühlsreaktion – Körperscann) nennt man Rückkopplung. Bei chronischen und altbekannten Schmerzen kann die Rückkopplung schnell problematisch werden. Zum Beispiel scannt unser Gehirn den Körper und entdeckt nach dem Aufstehen eine heftige Verspannung im mittleren Rücken. Der Gedanke ist: „Autsch! nicht schon wieder. Das letzte Mal dauerte es ein halbes Jahr, ehe es besser wurde!“ und die gefühlsmäßige Reaktion darauf ist Angst. Unser Gehirn scannt wieder und entdeckt die Angst und reagiert darauf mit Anspannung, und die Gefühlsreaktion auf die Anspannung ist noch mehr Angst. Bei so einem Kreislauf ist es gut möglich, dass der ursprüngliche Grund der ersten Verspannung (zu lange im Bett gelegen), schon lange weg ist, aber die Verspannung sich trotzdem hochschaukelt. Angst – noch mehr Anspannung – Angst – noch mehr Anspannung.

Eine Gegenmaßnahme kann sein, sich beim ersten Anzeichen einer Verspannung zu sagen: „Alles ist gut. Gleich lässt die Verspannung nach, locker bleiben, locker bleiben!“ …und die Muskeln zu bewegen und zu lockern. Dabei ist es sinnvoll, nicht so genau in den Körper zu fühlen. Besser du bleibst mit der Aufmerksamkeit beim Gedanken „Locker lassen!“. Mit etwas Übung kann man eine totale Blockierung verhindern.

Viel Erfolg dabei! Nur Mut, das klappt!