gefühlte Gedanken

fühlend selbst-bewusst verstehen wollen


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Der Traumjob und das liebe Geld

Kennst du den Film „Die Comedian Harmonists“? Die Szene, in der die frischgebackenen Sänger einen sehr geschäftigen Hintergrund simulieren, um neuen Kunden den Eindruck zu vermitteln, sie seien gefragt? Ich habe lange Zeit dasselbe versucht. Und hier möchte ich keine potentiellen Kunden durch einen ehrlichen Bericht verschrecken. Deshalb habe ich einen neuen Namen gewählt.

Ich heiße Sonja Frustenberg*. Vor sieben Jahren habe ich die GFK** kennengelernt und war schnell begeistert. Während meines ersten Jahrestrainings fand ich Gefallen an der Idee, GFK-Trainerin zu werden. Ich bewunderte meine Trainer und glaubte an mein Talent. Für die Selbstständigkeit entschied ich mich, weil ich keine anderen Alternativen mehr sah. In meinem damaligen Job zählten menschliche Werte nicht. Mitarbeiter wurden verraten und ausgenutzt, Abteilungsleiter hängengelassen, und als kaufmännisch galt allein der Vorteil der Firma. Hatte das den finanziellen Ruin eines Geschäftspartners zu Folge, wurde mit den Achseln gezuckt. Kurz gesagt, Menschlichkeit gab es nicht. Dagegen schien die Aussicht, als GFK-Trainerin meine Werte in die Welt zu tragen, als der berufliche Himmel auf Erden.

Gesagt, getan. Ich startete mit Homepage und Visitenkarten. Der erste Workshop im Freundeskreis war ein Erfolg, ich war geflasht. Nur die Sportkollegen schauten etwas skeptisch, als ich erklärte, wovon ich in Zukunft leben wollte. Die Tatsache, dass ich keine geschäftlichen Verbindungen und auch keine Berufserfahrung hatte, versuchte ich durch Motivation und Einsatz auszugleichen.

Der Gründungszuschuss sollte mir den Start erleichtern. Ich rechnete die Gehälter mir bekannter Trainer hoch und befand, dass das reichen würde. Dem Umstand, dass zu der Zeit die Teilnehmerzahlen meines Trainers stark rückläufig waren, schenkte ich keine Aufmerksamkeit. Für den Zuschuss musste ich dem Arbeitsamt belegen, dass man von GFK leben konnte. Dazu setzte ich einen Wochenend-Workshop pro Monat an. Das erschien mir zwar unrealistisch, da ich niemand kannte, der so häufig Einführungen gab, aber es war nötig, um auch nur in den unteren Gehaltsbereich zu kommen. Meine Sorgen, dass es in meiner Stadt bereits sechs aktive GFK-Trainer gäbe (heute sind es mindestens 15), zerstreute der Gutachter des Gründungszuschusses. Er meinte, viele Trainer würde bedeuten, dass es da etwas zu holen gäbe. „Wenn es keine Kunden gäbe, gäbe es auch keine Trainer!“ Weit gefehlt, er kannte die GFK-Szene nicht.

Den monatlichen Workshop-Turnus senkte ich sehr bald auf alle drei Monate. Kurze Zeit später waren es nur noch zwei pro Jahr und seit zwei Jahren schreibe ich GFK-Workshops nur aus, damit etwas auf der Homepage steht. Ich hatte in sechs Jahren Selbstständigkeit nie mehr als 3 Teilnehmer. Werbung machte ich über meine Homepage, Veranstaltungskalender, Trainer-Portale, Laternenpfahlwerbung und Flyern in Cafés und Bioläden. Ich schaltete bezahlte Werbung im Internet und in Esoterik-Blättchen. Doch jede bezahlte Werbung setze ich bald wieder ab, weil sie keine Kunden brachte. Versuche mal die GFK in einen Werbeslogan zu verpacken, ohne die GFK-Werte zu verraten!

Meine Trainererfahrung sammelte ich in erster Linie durch themenverwandte Workshops. Seit einiger Zeit fragen mich Teilnehmer, wie sie in meine Fußstapfen treten können. Das bringt mich in Gewissenskonflikte. Gerne würde ich sage, besuche viele Kurse (bei mir). Aber ich weiß, dass Kurse besuchen nicht ausreicht.

Die große Krise kam nach vier Jahren. Meine persönliche Umsatzstatistik verriet mir, dass sich nichts bewegte. Es gab noch nicht einmal eine leichte Tendenz nach oben. Und Umsatz konnte man die paar Euro auch nicht nennen, Taschengeld wäre wohl passender. In meiner Verzweiflung suchte ich Unterstützung in der GFK-Szene. Ich fand Kollegen, die bereitwillig Empathie gaben. Doch manch einer konnte es sich nicht verkneifen zu behaupten, wenn man etwas liebe, dann würde das in die Welt strahlen und die Teilnehmer anziehen. Das kränkte mich zu tiefst. Wollten die mir erzählen, dass ich meine Arbeit nicht genug lieben würde? Hatte ich eine Blockade, wie manche vermuteten? Ich entschied mich für eine systemische Aufstellung, um den Fehler im System zu finden. Dazu telefonierte ich mit dem Leiter eines bekannten Ausbildungsinstituts, das bis zu 90 Coaches und Berater im Jahr ausbildet. Der Mann war also im Geschäft. Ich erklärte ihm mein Problem. Daraufhin stellte er mir zwei Fragen.

  1. Wie viele Trainer kennst du, die davon leben können?

Da musste ich erstmal nachdenken und kam auf – zwei.

  1. Sind diese zwei Trainer dein Jahrgang (was den Berufsstart angeht) oder älter.

Sie waren schon über 10 Jahre im Geschäft. Ganz klar, nur „ältere“ Trainer bestritten ihren Lebensunterhalt davon. Die Erkenntnis traf mich mit Wucht.

Er meinte nur: „Du brauchst keine Aufstellung. Von Tagesworkshops kann man nicht leben. Der Werbeaufwand steht in keinem Verhältnis zum Verdienst. Wir machen das ausschließlich aus Marketinggründen. Unser Geld verdienen wir mit der Ausbildung. Das sind mindestens 20 Ausbildungstage pro Jahr und Person.“

Es hat lange gedauert, bis ich mich von meinem Wunschtraum habe trennen können. Es macht mich immer noch traurig, wenn ich darüber schreibe. Doch es erleichtert mich, dass ich nicht mehr erwarte, von der GFK oder einem anderen meiner Herzensprojekte leben zu wollen.

Und um auf die Behauptung des Gutachters zurückzukommen, dass vorhandene Konkurrenz auf Einnahmequellen verweisen: er hat schlicht übersehen, dass Geld nicht die einzige Motivation ist, einen Beruf zu ergreifen. Schauspieler, Sänger und Ballerinas. Alle wissen, nur wenigen winkt Ruhm und Geld. Glücklich der, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet. Alle anderen bezahlen in erster Linie ihre Ausbildung. Ob der Wunschtraum den finanziellen Einsatz und die Unsicherheit wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Doch einen Tipp habe ich: Wenn du GFK-Trainer werden möchtest, empfehle ich dir vor allem eines, eine zuverlässige zweite Einnahmequelle.

 

*Ich veröffentliche hier den Artikel meiner lieben Kollegin Sonja. Sie möchte gerne eine Leserschaft erreichen, und es ist noch unsicher, ob der Artikel in der Zeitschrift „Empathische Zeit“ veröffentlich wird. Was sie schreibt, kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen und glaube, dass die Berufsbezeichnung „Trainer“ genauso gut durch Coach, Systemische Berater, Personal Coach etc. ersetzt werden kann.          Tiefenkontakt

**Gewaltfreie Kommunikation

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Prokrastination (Aufschieberitis) oder wie geht’s weiter?

(für Selbstmotivierende ohne Auftraggeber oder Chefin)

Prokrastination ist doch ein tolles Wort. Es hört sich an, als würde man etwas wirklich Wichtiges tun. Doch im Grunde heißt es, dass man nicht das tut, was man tun will. Manche nennen es „Aufschieberitis“.

Die sanfte Variante – nach dem Urlaub wieder arbeiten

Uhh, dass klappt nur sehr durchwachsen. Aber ich weiß, dass es ab dem zweiten Tag besser wird. Den größten Fehler, den ich also begehen kann, ist zu denken, ich könnte den ersten Durchhängertag überspringen. Das macht mich nur noch unzufriedener, als wenn ich einfach planlos versuchen würde, einen Zugang zur Arbeit zu finden.

Manche Arten des Aufschiebens haben also mehr mit dem eigenen Arbeitsrhythmus zu tun. Diesen zu kennen und zu akzeptieren, macht mir das Leben leichter.

Doch wenn man lange genug wartet, wird das Problem des Aufschiebens existenziell. Menschen, die seit Monaten manchmal Jahren sich nicht an ihre Abschlussarbeit setzen, können ein Lied davon singen. Der Druck steigt mit jedem Tag. Da braucht es oft mehr Hilfe als einen Text zum Thema „Prokrastination“. Die Frage, die es rechtzeitig zu beantworten gilt, ist, kann ich besser mit Druck oder ohne Druck arbeiten? Ich habe lange gedacht, dass ich entspannt am besten arbeite, aber die Erfahrung zeigt etwas anderes. Die wissenschaftliche Bestätigung fand ich in einem Artikel (Autor habe ich leider vergessen): Druck wirkt sich positiv auf die Konzentration aus. Die größtmögliche Konzentrationsfähigkeit liegt zwischen Entspannung und Anspannung. Es braucht von beidem etwas. Fehlt ein Aspekt, nimmt die Konzentration ab. Wer das überprüfen möchte, der lese mal einen anspruchsvollen Text, wenn er sonntags vormittags noch tiefenentspannt im Bett liegt. Ich versuche es gar nicht erst, weil ich weiß, dass mein Gehirn die Zusammenarbeit verweigern würde.

Wenn ich aufschiebe, dann tue ich nicht nichts, sondern ich tue andere Dinge, die sehr sinnvoll sind. Ersatzhandlungen sind bei mir klassischerweise Putzen, Aufräumen oder mich um die Werbung meiner Kurse kümmern. Wenn man bedenkt, wie ungern ich diesen Tätigkeiten nachgehe, ist das doch das reinste Motivationswunder! Und mal ehrlich, an einem aufgeräumten Arbeitsplatz arbeitet es sich wirklich besser!

Doch warum ist es besser seinen Prokrastinationsimpulsen zu folgen? Weil „tun“ weniger Kraft braucht als „entscheiden“. Marc Gassert schreibt in seinem Buch „Alles ist schwer, bis es leicht ist!“, dass uns vor allem Entscheidungen Willenskraft kosten. Entscheidungen wie: Fange ich hiermit an oder damit? Ist diese Aufgabe wichtiger oder jene? Wozu brauche ich länger? Was ist wichtiger? Wäre es nicht sinnvoll, XY vorher zu erledigen? Das sind alles Fragen, die sehr oft gar nicht zu beantworten sind! Doch unser Geist beschäftigt sich damit und verbraucht Willenskraft. Deshalb hilft „anfangen“. Es einfach tun, ist leichter als entscheiden, was als nächstes zu tun ist. Gerade wenn man viel zu tun hat, ist das Schädlichste, was man mit seiner knappen Zeit machen kann, Entscheidungen treffen zu wollen.

Doch wie kriegt man jetzt die Kurve zur eigentlichen Aufgabe? Ich nehme mir hier gerne kleine Ziele vor! Sie sollten so klein sein, dass sie gerade etwas mehr als nichts-machen sind (die Zielvorgabe erhöhen kann man immer noch!). In meinem Fall ist das: „Ich lese den Text einmal durch und überarbeite, was mir nicht gefällt“. Ist die Datei erst geöffnet, dann fällt es meinem Geist leichter, sich weiter für das Thema zu interessieren.

Heute habe ich auch schon prokrastiniert, sozusagen als Vorbereitung für diesen Blog. Ich habe schon meine GFK-Vereinsunterlagen geordnet (das will ich seit Mai machen), ein unangenehmes Telefonat geführt und meinen Küchenfußboden gewischt. Das sind alles Dinge, die sonst nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen. Aber sie waren erstaunlich schnell erledigt. Super!

Auf diese Art und Weise kriege ich am Tage einiges erledigt, was ich sonst vor mir herschiebe.